Jean Calvin

Der kirchliche Reformator aus Genf

Jean Calvin

«Calvinismus» liegt nicht gerade im Trend; der Theologe Bernard Reymond fragt in seinem Buch, was mit einem «so sperrigen Ahnen» anzufangen sei, während der Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds (SEK), Thomas Wipf, festhält, es sei zu einem grossen Teil noch herauszuarbeiten, was von Calvin zu lernen sei.

Genfs Aufstieg unter Calvin

Calvin (Jean Cauvin) wurde in Nordfrankreich geboren, trieb juristische und humanistische Studien, bekannte sich ab 1533/34 zur Reformation, floh dann aus Paris nach Basel und verfasste dort das Lehrbuch «Institutio christianae religionis». 1536 gelangte er eher zufällig nach Genf und wirkte als Dozent, Pfarrer und Organisator der reformierten Kirche. Wegen Konflikten mit dem Rat musste er die Stadt nach zwei Jahren verlassen und zog nach Strassburg. 1541 folgte er der Rückberufung nach Genf und legte sogleich dem Rate daselbst seinen Plan zur Verbesserung der Kirchendisziplin vor, der ohne Widerspruch angenommen wurde. Die Massnahmen wurden in neuen Gesetzen umgesetzt, die es erlaubten, Verächter des Gottesdienstes, sittenlose Personen und Verbreiter anderer Meinungen ohne Rücksicht auf ihren Stand zur Rechenschaft zu ziehen und der weltlichen Obrigkeit zur Bestrafung zu übergeben. Hierdurch hauptsächlich drückte er der Genfer Reformation einen gottesstaatlichen Charakter auf. Jede, auch die bescheidenste Opposition gegen seine Ansichten wurde unterdrückt und die Taten, Mienen und Worte eines jeden Bewohners von Genf streng überwacht. Das berühmteste Beispiel von Calvins Glaubenstyrannei ist die Hinrichtung des Spaniers Servet wegen seiner unterschiedlichen Ansicht über die Dreifaltigkeit. Calvins Humanismus verbreitete sich rasch in unseren Breitengraden und verhalf Genf, vornehmlich in intellektuellen Kreisen, zu einem guten Ruf. Gelehrte, erstklassige Handwerker, aber auch einfache Familien fanden in Genf ihre neue Heimat. 1564 starb Calvin nach langer schwerer Krankheit.

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