Zurück zur Übersicht
0 Stefan Brügger, Geschäftsführer Gartengold GmbH

Bei uns gibt es die reine Substanz

Most statt Kompost: Gartengold macht aus ungenutzten Äpfeln ein Premium-Saft mit nachhaltigem Geschmack. Denn in jeder Flasche steckt auch ein Stück ökologischer und sozialer Verantwortung. Im Gespräch: Geschäftsführer Stefan Brügger.

Sind Sie beleidigt, wenn man Sie als Geschäftsführer eines Saftladens bezeichnet?

Überhaupt nicht. Das ist eine Doppeldeutigkeit, mit der wir gerne spielen. Von unserer Website gelangen sie über den Menüpunkt «Saftladen» in den Onlineshop und können dort unseren hochwertigen Apfelsaft und die naturtrübe Schorle bestellen.

Stefan Brügger, Geschäftsführer Gartengold GmbH

Gartengold hat eine Mission: mit ungenutzten Äpfeln Jobs für benachteiligte Menschen schaffen. Wie geht das?

Wir wollen ökologische, soziale und wirtschaftliche Kriterien in Einklang bringen. Diesen Anspruch lösen wir mit Gartengold ein. Wir ernten ungenutzte Äpfel, generieren sinnhafte Arbeit für Menschen mit einer Behinderung und stellen ein markttaugliches Produkt her. Das ist im besten Sinne des Wortes nachhaltig.

Wie entstand die Geschäftsidee?

Zwei Studenten der Hochschule St. Gallen joggen durch die St. Galler Vorstadt. Sie sehen, dass in vielen Gärten nicht bewirtschaftete Apfelbäume stehen. Das Obst landet bestenfalls im Kompost. Das ist der Auslöser: Die beiden wollen etwas tun gegen den Foodwaste und entwickelten die Idee zu ihrem Start-up. Seither werden ungenutzte Äpfel «vergartengoldet».

Sie sind auf «Baumspender» angewiesen. Wo und wie finden Sie diese?

In der Ostschweiz und im Raum Zürich. Wir fahren durch Ortschaften und sprechen die Leute an. Oder wir inserieren in lokalen Publikationen. Die meisten Baumspender sind Privatleute, die ihren Baum nicht mehr bewirtschaften, weil das zu anstrengend ist. Sie spenden ihr Obst für eine sinnvolle Sache. Wir bewirtschaften aktuell rund 400 Bäume, pro Baum ernten wir 50 und 200 Kilogramm Äpfel. Daraus entstehen 40 000 Liter Saft.

Welchen Beitrag leisten die Menschen mit geistiger Beeinträchtigung?

Sie ernten die Äpfel, verwalten das Lager, bearbeiten die Bestellungen, kommissionieren die Waren und liefern diese aus. Die meiste Arbeit fällt zwischen Mitte September und Ende Oktober an. In dieser Zeit sind jeweils zwei Ernteteams mit je zehn Leuten im Einsatz. Unsere Lager stehen in St. Gallen und in Zürich. Sie werden von unseren Partnern – zwei Sozialunternehmen – geführt.

Wer sind Ihre Kunden? Und: Über welche Kanäle vertreiben Sie Ihre Produkte?

Unsere Kunden? Menschen, welche einen erstklassigen Apfelsaft oder eine erstklassige Schorle geniessen wollen. Bei uns gibt es die reine Substanz, aus verschiedenen – auch viele alte und seltene – Apfelsorten. Gartengold enthält keine Zusatzstoffe und es wird kein Birnensaft beigemischt, wie dies in der Schweiz bei Süssmost oft gemacht wird. Wir unterscheiden drei Absatzkanäle. Erstens: die Gastronomie und den Feinkosthandel. Zweitens: das B2B-Geschäft – also Unternehmen, die an ihren Anlässen etwas Genuss- und Sinnvolles anbieten wollen. Drittens: Privatkunden, welche über unseren Onlineshop bestellen.

Ist Gartengold auch ein Goldesel?

Nein. Wir streben schwarze Zahlen, aber keine hohen Renditen an. Noch sind wir in der Aufbauphase. Der Break-even dürfte nächstes, spätestens übernächstes Jahr erreicht sein.

Man soll Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Trotzdem: Wieso produzieren Sie nicht auch Birnen-, Zwetschgen- oder Quittensäfte?

Weil wir zuerst das Kerngeschäft konsolidieren wollen. Aber keine Bange: Wir haben viele Ideen, was aus Äpfeln oder anderem ungenutzten Obst noch entstehen könnte. Aber diese präsentieren wir unseren Mitbewerbern hier nicht auf dem Silbertablett … (lacht).

 Gartengold

Newsletter

Fanden Sie diesen Artikel interessant? Melden Sie sich für unseren  Newsletter an.

0 Kommentar(e)

Es sind keine Kommentare vorhanden.

 

Logistikpunkt setzt sich für einen fairen und offenen Dialog ein. Bitte beachten Sie die  Netiquette.

Einen Kommentar schreiben