Bargeld in der Schweiz
Die aktuelle Ausgabe des Swiss Payment Monitor macht deutlich: Veränderungen im Zahlungsverhalten der Schweizerinnen und Schweizer vollziehen sich nicht abrupt, sondern Schritt für Schritt. Besonders beim Einkauf im stationären Handel bleibt Bargeld ein fester Bestandteil. Für das ATM-Umfeld ist dies ein klares Signal: Bargeld wandelt seine Rolle – doch es bleibt präsent.
Oktober 2025
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Die jüngste Ausgabe des Swiss Payment Monitor zeigt, dass sich das Zahlungsverhalten in der Schweiz nicht radikal, sondern in kleinen, aber feinen Schritten verändert. Für uns im ATM-Umfeld ist das spannend, denn wir beobachten seit Jahren, wie Bargeld und digitale Alternativen um ihren Platz im Portemonnaie ringen – und wie beide dabei erstaunlich zäh bleiben.
Mobiles Bezahlen bleibt weiterhin an der Spitze, allerdings mit gebremstem Tempo. Der grosse Schub der letzten Jahre scheint vorbei, das Wachstum hat sich abgeflacht. Trotzdem ist es die Zahlungsmethode mit den meisten Transaktionen, wie die Befragung von 1 653 Personen im Frühjahr 2025 belegt. Im Alltag der Menschen haben sich Twint, Apple Pay oder Google Pay fest etabliert, doch sie verdrängen andere Methoden nicht vollständig, sondern ergänzen diese.
Und das Bargeld? Ganz verschwunden ist es natürlich nicht – im Gegenteil. Knapp ein Viertel aller Zahlungen in der Schweiz wird nach wie vor bar abgewickelt. Im stationären Handel liegt der Anteil mit über 28 Prozent sogar noch etwas höher. Damit zeigt sich: Das Portemonnaie klappert zwar leiser, aber es klappert noch.
Gleichzeitig verändert sich der Umgang der Menschen mit Bargeld. Nur noch 16,9 Prozent der Befragten tragen regelmässig Bargeld bei sich – so wenige wie nie zuvor seit Beginn der Erhebungen 2018. Auf der anderen Seite erreicht die Zahl jener, die eine Abschaffung von Bargeld ablehnen, mit 70,9 Prozent einen neuen Rekordwert. Dieses scheinbar widersprüchliche Bild erklärt sich leicht: Bargeld verliert im Alltag an Gewicht, bleibt aber als Rückfalloption, Wertaufbewahrungsform und Vertrauensanker unverzichtbar. Mit anderen Worten: Es liegt zwar weniger Kleingeld in der Hosentasche, aber der emotionale Wert des Bargelds bleibt hoch.
Währenddessen verschiebt sich bei den Karten die Balance. Die klassische Plastikkarte verliert an Bedeutung, während mobile Wallets, in denen Kredit- oder Debitkarten hinterlegt sind, kontinuierlich an Boden gewinnen. Auch die SNB bestätigt, dass die Debitkarte im Präsenzgeschäft inzwischen das häufigste Zahlungsmittel ist, sei es physisch oder digital eingebettet.
Die Schweizerische Nationalbank hat zudem jüngst berechnet, dass der Bargeldzugang über Automaten und Filialen jährlich zwischen 640 und 880 Millionen Franken kostet. Diese Zahl verdeutlicht, dass die Infrastruktur nicht nur Auszahlungen ermöglicht, sondern ein System stabilisiert, das Vertrauen schafft. Bargeld ist damit weit mehr als ein Stück Papier oder Metall: Es ist ein Serviceversprechen und eine Versicherung gegen Ausfälle, die digitale Systeme nicht abdecken können.
Am Ende zeigt der Blick auf die Daten, dass Bargeld nicht von heute auf morgen verschwindet. Es wird seltener genutzt, aber weiterhin geschätzt – und zwar genau in den Momenten, in denen es gebraucht wird. Bargeld ist nicht tot, mobiles Bezahlen ist nicht allmächtig – die Wahrheit liegt, wie so oft in der Schweiz, irgendwo dazwischen. Und das ist eigentlich eine gute Nachricht.
Autor: Tariq Yousofzai; Business Development Manager ATM