Bargeld – Rückzug mit Stil oder unterschätzte Konstante?

Die Zahlen sind eindeutig: Die Nutzung von Bargeld nimmt ab. Der Wert der umlaufenden Bargeldmenge schrumpft um etwa 3 % pro Jahr, und die Anzahl der Bargeldtransaktionen sinkt sogar um rund 7 % jährlich. Heisst: Wer noch bar bezahlt, tut dies für tendenziell grössere Beträge. Einfache Kaffeekäufe? Immer öfter mit Karte. Die 200-Franken-Note? Wird gern behalten, aber selten gescannt.

August 2025

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Bild mit verschiedenen Schweizer Banknoten

Warum der Rückgang?

Digitale Alternativen boomen. Ob Twint, Kreditkarte, Apple Pay oder hybride Lösungen wie Sonect – der Zugang zu Geld und Zahlungsfunktionen ist heute digital, intuitiv und (aus Sicht des Konsumenten) oft kostenlos. Wer mit dem Smartphone zahlt, trägt keine Gebühren, sieht das Konto in Echtzeit und kann mit wenigen Klicks Freunde zurückzahlen, Parkgebühren begleichen oder im Coop kontaktlos das Mineralwasser kaufen.

Hinzu kommt: Die Digitalisierung ist bequem. Wer beim Einkaufen noch 200 Franken auf die Migros-Rechnung draufschlägt und sie sich direkt am Kundendienst in bar auszahlen lässt, braucht keinen Bankomaten mehr. Und wenn die Bankfiliale schon schliesst – nun ja, Twint hat durchgehend geöffnet.

Warum Bargeld trotzdem nicht tot ist – und es wohl nie sein wird

Bargeld hat Eigenschaften, die keine App ersetzen kann: Es ist haptisch, wertstabil und verursacht keine laufenden Kosten wie Kontoführungsgebühren oder Kartenzahlungsgebühren. Es funktioniert ohne PIN, ohne Akku und ohne Netz. Und es spricht eine Sprache, die auch die Grosseltern verstehen. Zudem wird Bargeld oft gehortet, es ist und bleibt ein vertrauenswürdiges Wertaufbewahrungsmittel – gerade in unsicheren Zeiten.

Ein Blick in die Zukunft

Es ist realistisch, davon auszugehen, dass das Transaktionsvolumen von Bargeld weiter sinken wird. Die Digitalisierung macht Tempo, und die Nutzerinnen und Nutzer folgen. Doch: Bargeld wird bleiben – wenn auch in veränderter Rolle. Es wird zunehmend zur Reservewährung des Alltags, zur physischen Sicherheitskopie unseres digitalen Zahlungsverkehrs.

Nicht zuletzt wird Bargeld durch externe Treiber relevant bleiben: Stromausfälle, Cyberangriffe, geopolitische Krisen oder schlicht Systemstörungen. In solchen Momenten ist Bargeld nicht retro – sondern robust.

Fazit

Bargeld verschwindet nicht – es wandelt sich. Es wird weniger im täglichen Gebrauch, aber nicht bedeutungslos. Es bleibt als Rückgrat der Notversorgung, als frei verfügbares Tauschmittel und als symbolisches Gegengewicht zur zunehmend überwachten Digitalökonomie. Und wer genau hinschaut, merkt: Rückgang bedeutet nicht Relevanzverlust – sondern eine neue, fokussierte Rolle im Zahlungssystem.

Autor: Claudio Furter

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