Benchmarking und internationaler Vergleich

Der ATM-Markt befindet sich weltweit im Wandel – auch in der Schweiz. Ein Blick nach Skandinavien, Deutschland und in die USA zeigt, wie unterschiedlich sich Geldautomatennetze entwickeln. Internationale Erfahrungen liefern wertvolle Hinweise darauf, welche Trends auch hierzulande an Bedeutung gewinnen könnten – von Outsourcing über Pooling bis hin zu neuen Service-Modellen.

Dezember 2025

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Der Schweizer ATM-Markt konsolidiert sich seit einigen Jahren: Sinkende Transaktionszahlen führen zu einer abnehmenden Anzahl der ATM, wodurch die Kosten pro Standort relativ steigen.  Gleichzeitig gewinnen spezialisierte Drittanbieter mit neuen Betriebskonzepten an Bedeutung. Damit reiht sich die Schweiz in ein internationales Marktentwicklungsmuster ein, allerdings mit eigenen Besonderheiten. Ein Blick nach Skandinavien, Deutschland und in die USA zeigt, wie unterschiedlich sich ATM-Netze entwickeln können, und hilft einzuordnen, welche Bewegungen realistisch auch bei uns denkbar sind.

Die skandinavischen Länder (zum Beispiel Schweden) sind digital getrieben und fokussieren sich auf einen flächendeckenden Auf- und Ausbau bargeldloser Zahlungsprozesse (Karten/Wallets). Dies geht einher mit einer starken Abkehr vom Bargeld. Die ATM-Zahlen sind massiv gesunken und die Bargeldversorgung ist stärker zentralisiert (z.B. einheitliche und konsolidierte ATM-Netze über einen Pooling-Ansatz) – begleitet von Diskussionen zur Sicherstellung der Grundversorgung. Dinge des täglichen Bedarfs sollen/müssen weiterhin mit Bargeld bezahlt werden können. Ebenso steht der sprunghafte Anstieg von Bargeld in Krisensituationen unter Beobachtung.

Deutschland folgt einer moderaten Konsolidierung, ähnlich der Schweiz: weniger Bargeldtransaktionen, weniger ATM, aber weiterhin einen hohen Versorgungsanspruch. EU-weit ist ebenfalls ein Rückgang des Verhältnisses «Einwohner pro ATM» zu verzeichnen. 

Die USA als Sonderfall: Unabhängige ATM-Betreiber (IADs = Independent ATM Deployers) machen mit ihren ATM-Netzen ca. 50% der ATM-Basis in den USA aus. Die Zahlungsgewohnheiten dominieren die Nachfrage nach Bargeld am Ort des Konsums. Die Fragmentierung ist hoch – eine Struktur, die in Europa in dieser Form (noch) selten ist.

Auf internationaler Ebene prägen vier Faktoren die wesentlichen Unterschiede in der Ausgestaltung der ATM-Netzwerke:

  • Zahlungsgewohnheiten: Skandinavien ist hoch digitalisiert; die Schweiz bewegt sich schrittweise – aber mit einem klaren Trend.
  • Marktstruktur: In den USA haben IADs traditionell viel Gewicht; in der Schweiz und Europa dominieren Banken und einige grosse ATM-Netzwerk Outsourcing-/Pooling-Betreiber.
  • Regulatoren: Zentralbanken und Aufsichtsbehörden setzen unterschiedliche Schwerpunkte bei der Sicherstellung von Bargeldzugang und Grundversorgung.
  • Kosten & Logistik: Sinkende Transaktionszahlen erhöhen überall die Kosten pro Gerät, was Outsourcing und Kooperations-Modelle attraktiv macht.

Was bedeutet dies für die Schweiz? Die internationalen Trends und marktlichen Umsetzungen wirken auch bei uns – zeitverzögert, in modifizierten Ausprägungen und Dimensionen.

Was hat international funktioniert und könnte auch in der Schweiz relevant werden?

Outsourcing & Pooling: Outsourcing, modulare Servicepakete und Betriebs-Partnerschaften gewinnen an Relevanz und praktischer Realität, weil sie nachweislich Skalenvorteile realisieren und die betriebliche Performance erhöhen (z.B. SLA-Management). Eine ähnliche Entwicklung – wenn auch kleiner und geordneter – ist in der Schweiz bereits sichtbar: Erfolgreiche Outsourcing-Projekte setzen auf standardisierte Prozesse und transparente KPIs (z. B. ATM-Verfügbarkeit).
 
Service-Diversifikation: In einigen Märkten wurden ATMs zu Multi-Service-Terminals erweitert (Einzahlen, Konto-Services, digitale Schnittstellen). Solche Hybridmodelle könnten auch hierzulande die Relevanz von ATMs als Kundenschnittstelle erhöhen.
 
Retail- und Verkehrspartner: In vielen Ländern führt der Rückzug von Bankfilialen zu einer stärkeren Kooperation mit Drittstandorten (Präsenzflächen). Die Schweiz folgt der gleichen Logik – datengetriebene Standortwahl wird zum Erfolgsfaktor.
 
Grundversorgung & Financial Inclusion: In Märkten, in denen der Bargeldbedarf stark sinkt, investieren Staaten und Betreiber in alternative Modelle wie mobile Cash-Services oder Poststellen-Hubs. Eine ähnliche Diskussion beginnt langsam auch in der Schweiz.

Wie sind diese Trends auf die Schweiz übertragbar? 

Nicht alles lässt sich adaptieren – und das sollte auch nicht so sein. Die kulturelle Rolle des Bargelds, die regulatorischen Rahmenbedingungen und die Marktstruktur unterscheiden sich deutlich. Trotzdem zeigen die internationalen Vergleiche mehrere robusten Trends, die auch hier relevant werden könnten:

  • Fortschreitende Konsolidierung des ATM-Netzes (nicht im «skandinavischen Tempo»).
  • Outsourcing, Spezialisierung und Skalierung bei ATM-Betrieb, Cash-Management und Technologie.
  • Wachstum von IAD-ähnlichen Modellen, wenn auch in kleinerem Umfang, gemessen an der gesamten installierten Basis.
  • Ausbau von digitalen Diensten am ATM und damit Erhöhung des Fokus auf die Kundenzentrierung.
  • Fokus auf Zugänglichkeit in Regionen, die sonst unterversorgt wären.

Ein deutlicher Strukturwandel ist also auch in der Schweiz innerhalb der kommenden fünf bis zehn Jahre denkbar.

Autor: Joerg Engelhardt

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