Geschichten

Wie wertvoll ist dereinst diese Marke?

Von langer Hand geplant – und dann abgesagt: Wegen der Corona-Pandemie gab es diesen Mai keine Eishockey-WM in der Schweiz. Die Sondermarke der Post zum Grossanlass ist aber nach wie vor erhältlich und gültig. Ein Widerspruch? Und wurde jemals eine Marke für ein Ereignis produziert, das letztlich nie stattfand? Dazu sieben Fragen und Antworten.

Wird uns noch lange an Corona erinnern: die Marke zur Eishockey-WM 2020, die nie stattfand. Wertsteigernd ist dieser Umstand aber nicht. Copyright Bilder: Die Schweizerische Post

1. Hat die Schweizerische Post schon einmal eine Marke für ein Ereignis lanciert, das abgesagt wurde?

Nein. Oder nur halbwegs. Ende Juli 2016 verewigt die Post «Solar Impulse 2» auf einer Marke. Doch das in Sonnenstrahlen getauchte Solarflugzeug von Bertrand Piccard ist am Markenrand mit 2015 versehen – dann hätte die Erdumrundung beendet sein sollen. Hätte, sollte: Das Wetter macht dem Projekt immer wieder einen Strich durch die Rechnung, die 43 000 Kilometer Flugstrecke sind erst am 25. Juli 2016 absolviert. Der Umwelt zuliebe verzichtet die Post auf einen Neudruck und bringt die Marke mit «falschem» Ausgabejahr in den Handel.

Das Wetter war schuld: die Marke für die «Solar Impulse 2» mit falschem Ausgabejahr (siehe unten rechts)

2. Gewinnt die Eishockey-WM-Marke wegen des Nicht-Events langfristig an Wert?

«Für Laien ist diese Frage sehr berechtigt», sagt Cyrill Walter, Inhaber des gleichnamigen Philateliegeschäfts in Zürich und Briefmarken-Profi. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Marke im Laufe der Zeit an Wert gewinne, sei äusserst klein. «Dafür sind die heutigen Auflagezahlen schlicht zu hoch.» Ähnlich sieht das Kurt Strässle, Leiter Kultur- und Partnermanagement bei Philatelie Post. Er ist überzeugt: «Weder monetär noch sonst wie wirkt sich das auf den Wert der Marke aus.»

3. Hat die Hockey-Marke zumindest das Potenzial zum Kultstatus?

Für Sammler kann der Kaufanreiz tatsächlich etwas höher sein, was sich bei den Verkaufszahlen zeigen würde. Diese bewegten sich bislang «im Rahmen der Erwartungen». Beantworten lässt sich die Frage noch nicht. Die Verkaufszahlen ihrer Briefmarken hält die Post so geheim wie Druide Miraculix das Rezept seines Zaubertranks. Die effektive Auflage einer Briefmarke wird jeweils ein Jahr nach Verkaufsende auf Anfrage bekannt gegeben. Zahlen, für die sich fast ausschliesslich Sammler interessieren.

4. Hat man eigentlich je mit dem Gedanken gespielt, die WM-Marke wieder aus dem Sortiment zu nehmen?

Entschiedenes Nein. Briefmarken sind immer auch Zeugen der Zeitgeschichte. Und diese Marke erinnert uns noch lange daran, dass im Jahr 2020 ein kleiner Virus ein grosses Sportfest verhindert hat.
 

5. Aktuell wird spekuliert, ob allenfalls 2023 die Eishockey-WM in der Schweiz stattfindet. Könnte dann das Sujet der 2020er-Marke nochmals verwendet werden?

Da wird etwas gar tief in die Kristallkugel geblickt. Doch wie sagte schon James Bond: «Sag niemals nie.»
 

6. Die Pandemie hat gezeigt, dass man immer auch das Undenkbare denken muss. Verändert die Post deshalb ihre Praxis für Marken, die auf ein Ereignis hin produziert werden?

Wohl kaum. Nochmals Kurt Strässle, Leiter Kultur- und Partnermanagement bei Philatelie Post: «Für Grossevents oder Ereignisse, die eine breite Bevölkerung ansprechen, wird es mit Sicherheit auch künftig Ereignis- oder Sondermarken geben.»
 

7. Gab es auch schon andere «Pleiten, Pech und Pannen» im Zusammenhang mit Sonder- oder Ereignismarken?

Prominentes Beispiel: Als im Juni 1999 Turin statt Sitten die Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2006 gewinnt, ist die Ereignismarke bereits gedruckt. Ausser Spesen nichts gewesen – die Post muss die Serie einstampfen, teilweise wird sie auch als Souvenir-Karte verkauft.

Ähnliches passiert der Österreichischen Post. Zum 70. Geburtstag des Dalai Lama plant sie 2005 eine Marke mit dem Konterfei des Friedensnobelpreisträgers, unterschätzt aber den langen Arm Chinas. Die Marke wird nie gedruckt.

Auch bemerkenswert: Aus Protest gegen den Einmarsch in Afghanistan durch die Sowjets vernichtet Liechtenstein die eigene Sondermarke zu Olympia 1980 in Moskau – unter Aufsicht der Polizei. Doch diese kann nicht verhindern, dass einige Stücke der Aktion entgehen und in den Jahren danach hoch gehandelt werden. Bis heute ist das Sujet ein begehrtes Sammlerstück.

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