Unser Engagement

«Ich lege nicht mehr so viel Wert auf Modisches»

Kein Fleisch essen, nicht mehr fliegen oder wenig Kleider kaufen. Immer mehr Menschen verzichten bewusst auf Dinge. Auch die Beauty-Expertin Bea Petri hat genug vom Konsumwahn und kauft sich seit einem Jahr keine neuen Kleider mehr.

Sandra Gonseth

Haben Sie heute schon einen Blick in ein Schaufenster geworfen?

Ja, in meines! In meinem Laden in Steckborn verkaufe ich mit viel Freude Möbel und Trouvaillen aus Asien und Marokko. Und natürlich auch Produkte der Schneiderinnenschule «Nas Mode», die ich in Burkina Faso gegründet habe.

Sie kaufen sich seit knapp einem Jahr keine Kleider mehr. Was hat Sie dazu bewogen?

Seit zehn Jahren reise ich regelmässig nach Burkina Faso – eine der ärmsten Nationen auf unserem Planeten. Es reicht immer nur für das Nötigste, und oft nicht einmal für das. Zurück in der Schweiz erlebe ich dann unsere verwöhnte Gesellschaft, in der man alles will und erst noch möglichst billig.

Aber es gibt doch auch fair produzierte Kleider?

Sogar die Fairtrade-Label sind weit davon entfernt, den Produzenten in den Drittweltländern ein menschenwürdiges Leben zu garantieren. Ich bin ziemlich zornig über die Lügen, die erzählt werden, und verabscheue die Methoden, die einen Teil Asiens und halb Afrika einem unbeschreiblichen Elend überlassen. Deshalb wollte ich mir beweisen, dass ich eine Weile verzichten kann. Und später nur noch Produkte kaufen, hinter denen ich mit gutem Gewissen stehen kann.

Wie hat sich der Entscheid auf Ihren Alltag ausgewirkt?

Zuerst musste ich mich erst einmal daran gewöhnen, denn ich mag schöne Kleidung und verbrachte vor allem im Ausland viel Zeit in Kleiderläden. So erwischte ich mich zum Beispiel bei Wünschen nach neuen Turnschuhe oder einem Wintermantel - aber dann kam gleich der Gedanke «Nein, ich kaufe ja nichts mehr!».

Nie schwach geworden?

Nein. Heute spaziere ich gelassen durch Städte, ohne einen Blick in die Kleiderläden oder Schuhgeschäfte zu werfen. Es interessiert mich einfach nicht mehr. Dafür habe ich Zeit gewonnen, um ins Kino zu gehen, in eine Buchhandlung oder um mich mit jemandem zu treffen.

Hat sich Ihr Kleidungsstil dadurch verändert?

Jetzt ziehe ich jene Kleider an, die ich zuhinterst in meinem Schrank aufgestapelt hatte. Aber ehrlich gesagt, ich lege auch nicht mehr so viel Wert auf Modisches. Zum Glück fehlt es mir nicht an Phantasie, mich kreativ zu kleiden. Und wenn ich mich einmal chic anziehen muss, so habe ich immer noch genug Teile, die festlich aussehen.

In welcher Situation haben Sie diesen Entscheid bereut?

Zu Beginn des Kleiderfastens waren die ersten Frühlingskleider in den Schaufenstern zu sehen. Eine tolle Mode wurde gezeigt mit farbigen Overalls. Ich liebe dieses Kleidungsstück und nahm es fast etwas persönlich, dass ausgerechnet jetzt meine Lieblingsmode gezeigt wurde.

Und wie hat Ihr Umfeld aufs Kleiderfasten reagiert?

Eigentlich positiv. Mein Mann beschloss gleich mitzumachen und kauft sich auch nichts mehr. Und von vielen hörte ich seither, dass sie es auch einmal versuchen wollen.

Was macht die Post?

Die Post repariert Geräte, Fahrzeuge und Arbeitsmittel rechtzeitig oder verwendet diese weiter. So werden beispielsweise aussortierte Batterien der Elektroroller zu Stromspeichern für Solarstrom umgebaut. Oder ausgemusterte Berufskleidung wird in den Secondhandwarenhäusern des SRK verkauft. Zudem fördert die Post das Teilen (z.B. PubliBike). Erfahren Sie, wie die Post mit ihren Produkten und Kompetenzen eine ressourcenschonende und kreislauforientierte Wirtschaft unterstützt: www.post.ch/verantwortung

Das können Sie tun!

Tragen Sie langlebige Mode. Investieren Sie lieber in wenige, dafür hochwertige Stücke. Achten Sie beim Kauf auf Fairtrade- und Bio-Labels. Machen Sie nicht jeden Modetrend mit. Kaufen Sie auch in Kleiderbörsen und Secondhandshops ein.

Bea Petri (63) ist eine der bekanntesten Maskenbildnerinnen der Schweiz. Die Gründerin der Schminkbar engagiert sich heute vor allem in Burkina Faso. Dort hat sie die Ausbildungsstätte «Nas Mode» aufgebaut, die jungen Menschen eine Zukunftsperspektive geben sollen. Die Produkte werden unter anderem in ihrem Laden in Steckborn (bea petri – schönes zum wohnfühlen) und in den Schminkbars verkauft.
www.beapetri.ch
www.nasmode.ch

Copyright: Xandra M. Linsin

verfasst von

Sandra Gonseth

Redaktorin