Menschen

Weniger Barrieren, viel Platz

Derzeit werden viele Filialen umgebaut und möglichst hindernisfrei eingerichtet. Im Zürcher Kreis vier ist im April eine neu gestaltete Filiale eröffnet worden. Der rollstuhlgängige Anwohner Peter Fischer ist begeistert.

Claudia Langenegger

Ein Postkunde im Rollstuhl in einer Filiale
Peter Fischer – ein begeisterter Postkunde der Filiale am Albisriederplatz in Zürich Copyright: Monika Flückiger

Als erstes fiel Peter Fischer (65) in seiner Filiale am Albisriederplatz das Rollstuhlzeichen auf. Dieses ist seit dem Umbau beim Schalter G angebracht. «Ich habe erfahren, dass ich und andere Menschen mit Behinderungen gar kein Ticket mehr ziehen müssen», erzählt der Zürcher. «Ich kann direkt zum Schalter G.» Wenn dieser frei ist, wird er umgehend bedient, ansonsten wartet er, bis die Person vor ihm fertig ist.

Postfiliale Zürich Albisriederplatz: Schild mit der Aufschrift «Direkt zum Schalter G»
Menschen mit Behinderungen müssen kein Ticket ziehen. Sie können direkt an den Schalter G. Copyright: Monika Flückiger

Peter Fischer manövriert behände mit seinem Elektro-Rollstuhl durch den Schalterraum und meint: «Ich habe viel mehr Platz als zuvor. Es hat auch keine Gestelle mit den Kiosk-Artikel mehr, das finde ich gut.»

Es ist ein geschäftiger Freitagnachmittag, doch ihm kommen weder das Mobiliar noch die anderen Kunden in die Quere. Die Leute strömen von beiden Eingängen herein – mit Paketen, mit Briefen, die sie aufgeben wollen, mit dem gelben Büchlein für die Einzahlungen. Oder einfach mit vielen Fragen.

In der Mitte der Schalterhalle hat es nun neu eine Theke. Dort steht jeweils eine Beraterin oder ein Berater der Post. Man kann hier direkt seine Fragen stellen.

Peter Fischer an der Theke in der umgebauten Schalterhalle in der Filiale  am Albisriederplatz in Zürich
Peter Fischer an der Theke in der umgebauten Schalterhalle in der Filiale am Albisriederplatz in Zürich Copyright: Monika Flückiger

«Gerade kürzlich musste ich ein Paket einpacken und abschicken und die Postmitarbeitende half mir, ohne dass ich hätte fragen müssen», schwärmt der Zürcher. «Der Service hier ist einfach toll.»

Auch den neuen, unterfahrbaren Schreibtisch neben dem Kopierer findet er eine gute Einrichtung. Er ist auf idealer Höhe um Einzahlungsscheine auszufüllen, Adressetiketten zu beschriften oder Umschläge zu frankieren.

Peter Fischer lebt seit 17 Jahren unweit des Albisriederplatzes mit seinem Partner in einem Mehrfamilienhaus. Mindestens einmal pro Woche geht er auf diese Post. Heute hat er Briefe zum Aufgeben und er hebt etwas Geld ab – an Schalter G. Hier ist eine zusätzliche Tischplatte angebaut, die tiefer liegt als der Schalter. Darauf befindet sich ein Kartenlesegerät mit schwenkbarem Arm. «Hier sehe ich endlich auch aufs Display», freut sich der 65-Jährige.

Peter Fischer sitzt seit fast zwanzig Jahren im Rollstuhl. Er kennt die Hindernisse, auf die er im Alltag stösst, nur zu gut – zu schmale Trottoirs, zu hohe Absätze, enge Türen, kein Platz zum Wenden, Knöpfe und Displays, die zu hoch angebracht sind, Waren, die im Supermarkt nicht erreichbar sind.

Das ist für ihn kein Grund für Ärger. «Ich schimpfe nicht, wenn mich etwas stört, sondern schaue, was ich machen kann», sagt er. «Man muss sich einbringen, sonst ändert sich nichts.»

Peter Fischer am Schalter: Er bedient das Kartenlesegerät. Es ist tiefer als die anderen Lesegeräte am Schalter, auf idealer Höhe und gut bedienbar.
Peter Fischer am Schalter – das Kartenlesegerät ist nun auf idealer Höhe und gut bedienbar. Copyright: Monika Flückiger

Als es ihn etwa störte, dass er kaum etwas von der Diagnose seiner Krankheit verstand, die ihm 1999 die Ärzte übergaben, wurde ihm bewusst: «Es braucht eine einfache Sprache, die alle verstehen. Viele Leute und Menschen mit geistigen Behinderungen verstehen lange Sätze oder komplizierte Wörter nicht.» Seither setzt er sich für eine allseits verständliche Sprache ein.&

In Sachen Post bestehe es bei Menschen mit Behinderung Aufklärungsbedarf. Der umtriebige Zürcher ist überzeugt: «Es gibt bestimmt viele, die gar nicht wissen, welchen Service die Post ihnen mittlerweile bietet.»

Er schlägt vor, dass man ein Infoblatt macht. Natürlich in einfacher Sprache verfasst – für alle gut verständlich.

Peter Fischer an der Paketstation mit niedriger Tischplatte
Peter Fischer an der Paketstation mit niedriger Tischplatte Copyright: Monika Flückiger

verfasst von

Claudia Langenegger

Redaktorin