Menschen

Ein bunt gefärbtes Leben

Maler, Musiker, Künstler, Briefträger und Vater von fünf Kindern. Der Luzerner Lukas Hürlimann wohnt in Malters mit seiner Familie in einem kleinen Paradies – draussen ein lauschiger Garten und im Haus ein Atelier, wo er jeden Tag malt.

Claudia Langenegger

Der Maler und Pöstler Lukas Hürlimann steht zuhause in seinem Atelier, hinter ihm an der Wand eine grossformatige Malerei.
Lukas Hürlimann zuhause in seinem Atelier. Copyright: Franca Pedrazzetti

Der Raum ist gross und hell, an den Wänden grosse Bilder, in einer Ecke ein wilder Haufen bemalter Postkarten, auf dem Tisch am Fenster Farben und Pinsel in allen Grössen. Der Holzboden ist farbgesprenkelt, Lukas Hürlimanns Hausschuhe ebenso. Auf der Galerie stapeln sich bemalte Leinwände in allen Grössen.

Der Luzerner zeigt grossformatige Aquarelle auf Papier in seinem Atelier.
Der Luzerner zeigt grossformatige Aquarelle auf Papier in seinem Atelier. Copyright: Franca Pedrazzetti

Kreativer Alltag

«Ich male jeden Tag», erzählt der Luzerner. Die Leinwand neben ihm – drei Meter auf einsachtzig gross – ist bemalt mit Farben, die ineinander verlaufen, transparent schimmern die Schichten durch, es sind abstrakte Muster in einer Technik, die an Aquarell erinnert und doch etwas ganz Eigenes ist.

«Das ist Antiktusche», erklärt er. «Ich probiere viel aus.» Manchmal legt er die Leinwände sogar auf den Boden und malt wild wie Jackson Pollock.

Haufenweise farbig bemalte Postkarten.
Haufenweise Kunstwerke in Postkartenformat. Von diesen malt er täglich mindestens 10 Stück. Copyright: Franca Pedrazzetti

Musisch begabter Junge

Der Luzerner malt, so lange er sich erinnern kann. «Eigentlich wollte ich auf die Kunstgewerbeschule», erzählt er. Doch Künstler, das sei doch kein richtiger Beruf, fand sein Vater. So lernte Lukas Hürlimann Orgelbauer in Luzern und Zürich. Das Einkommen war aber unregelmässig und zu niedrig – vor allem, weil er eine Familie zu ernähren hatte. Als sein viertes Kind unterwegs war, sattelte er um: Nach einer verkürzten Ausbildung begann er als Briefträger in der Luzerner Altstadt, wo er damals auch wohnte. Das ist nun 25 Jahre her.

Taschengeld mit Expressbriefen

Der Postbetrieb war etwas Vertrautes für Lukas: Sein Vater war Posthalter gewesen und als Junge hatte er oft ausgeholfen. «Ich habe beispielsweise Expressbriefe zugestellt und so mein erstes eigenes Geld verdient.»

Er ist einer dieser Briefträger, die beschwingt ihre Arbeit tun, stets ein Lachen im Gesicht haben, der an jeder zweiten Hausecke jemanden kennt und auf seiner täglichen Tour mindestens einmal auf einen Kaffee eingeladen wird. «Einen Kafi gibt’s schon – in der Pause natürlich!», sagt er. Er ist auch jener Briefträger, der an der Luzerner Fasnacht die Post mit Perücke austrägt.

Viele Gläser mit Antiktusche in vielen Farben stehen auf einem Tisch.
Die edle Antiktusche wird rege benutzt. Copyright: Franca Pedrazzetti

Regelmässiger Job – Freiheit in der Kunst

«Die Arbeit bei der Post, hat mir in der Malerei die Freiheit gegeben, zu experimentieren und zu malen, was ich will», erzählt Lukas Hürlimann. Der renommierte Berner Galerist Fritz Tanner förderte ihn und auch ein italienischer Galerist hätte ihn einst gerne unter seine Fittiche genommen. Doch dieser wusste zu genau, was er wollte. «Er sagt mir: Genau so musst du malen, das gefällt.» Das war nichts für den experimentierfreudigen Lukas. «Ich wollte frei sein und mich nicht nach bestimmten Geschmäckern ausrichten.»

Ausstellungen und Atelieraufenthalte

Bescheiden, fast etwas scheu, erzählt er von seiner Malerei und Leidenschaft für die Kunst. Seine Werke hingen schon an über fünfzig Ausstellungen, immer wieder kann er ein Bild verkaufen – das Geld investiert er meist wieder in Malmaterial. Seine Highlights sind die Atelieraufenthalte im Tessin und auf Elba.

Die Malerei kombiniert er gerne auch mit anderen Kunstformen – er macht immer wieder an Performances mit, wo man Malerei mit Literatur verbindet, mit Musik, Geräuschen, Schauspiel und Experimentierfreudigkeit.

Lukas Hürlimann in der Gartenlaube mit einer Handorgel auf dem Schoss.

Musikalischer Tausendsassa

Seine zweite Leidenschaft ist die Musik. Als Bub hat er in der Musikschule Querflöte gelernt, später kamen Klavier, Schlagzeug, Saxophon, Handorgel und noch einiges mehr dazu. An der Luzerner Fasnacht ist er jeweils als Musiker unterwegs und er war sogar schon auf Tournee – mit drei Zirkusartisten und seiner Partnerin Regula Christen. Drei befreundeten Künstler aus der Clownschule in Paris brauchten für ihre Tournee in der der Bretagne musikalische Begleitung – so verbrachte das Paar seine Ferien als Musikanten.

Ausspannen im Gartenparadies

Die nächste Ausstellung kommt bestimmt. Derweil geniesst er die Freizeit beim Malen, Musizieren und im lauschigen Garten mit den vielen Blumen, der grossen Feuerstelle und dem alten Bauwagen, den sie zu einer gemütlichen Veranda umgebaut haben. Er lebt in einem lauschigen Paradies und hat hier den perfekten Ausgleich zu seinem Job als Zusteller bei der Post.

verfasst von

Claudia Langenegger

Redaktorin