Hintergründe

«Die Post steht auf einem soliden finanziellen Fundament»

Das Halbjahresergebnis der Post ist stark von der Corona-Krise geprägt. So erwirtschaftete die Post im ersten Halbjahr ein Betriebsergebnis von 61 Millionen Franken. Das sind 208 Millionen weniger als noch letztes Jahr. Der Konzerngewinn beträgt 30 Millionen Franken, was einem Rückgang von 163 Millionen Franken entspricht. Finanzchef Alex Glanzmann geht im Interview auf das Ergebnis ein und zeigt auf, warum der Umsetzung der neuen Strategie trotzdem nichts im Weg steht. Im Gegenteil.

Camilla Krebs

Portrait von Alex Glanzmann
Finanzchef Alex Glanzmann zeigt auf, warum die Post trotz Corona-Krise in die Zukunft investiert.

Alex Glanzmann, seit März dominiert das Corona-Virus mehr oder weniger unseren Alltag. Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf die Post?

Die letzten Monate haben gezeigt, wie wichtig die Schweizerische Post für die Menschen in diesem Land und die Schweizer Wirtschaft ist. Die Corona-Pandemie hat langjährige Trends im Postgeschäft verstärkt. Das heisst, es werden weniger Briefe aber mehr Pakete versandt. Ich bin sehr beeindruckt, wie unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Herausforderungen der Pandemie meistern und jeden Tag die Schweiz zuverlässig mit Postdienstleistungen versorgen. Allein im April verarbeiteten wir 17 Millionen Pakete – ein neuer Rekord. In der Krise zeigte sich die Stärke der Post.

Trotz aller Anstrengungen ist aber das Ergebnis der Post tiefer ausgefallen als im letzten Jahr. Warum?

Wegen der Corona-Pandemie kaufen die Leute viel mehr online ein. Das sehen wir an der Paketmenge, die im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent angestiegen ist. Auch deshalb liegt das Betriebsergebnis von PostLogistics mit 108 Millionen Franken um 40 Millionen Franken über dem Vorjahreswert. Im Gegensatz dazu verbuchen die restlichen Geschäftsbereiche genau wegen der Corona-Krise zum Teil erhebliche Ergebniseinbussen. Unter dem Strich führt das zu einem schlechteren Konzernergebnis für das erste Halbjahr. Und je nach wirtschaftlicher Entwicklung und der Corona-Lage müssen wir Ende Jahr mit einem Ergebnisrückgang in tiefer dreistelliger Millionenhöhe rechnen.

Und welche Auswirkungen hat das tiefere Ergebnis nun konkret auf die Post?

Mit dem deutlich tieferen Gewinn werden wir natürlich weniger zusätzliche Mittel aufbauen können, die Post steht aber nach wie vor auf einem soliden finanziellen Fundament. Eine Weiterentwicklung der Post ist dennoch unumgänglich – das zeigt alleine schon der Trend mit weniger Briefen hin zu massiv mehr Paketen. Wir können alle nötigen und geplanten Investitionen, unsere Dienstleistungen und die Grundversorgung aus eigener Kraft finanzieren. Sicher ist: Die Trends – also die Zunahme der Pakete und der Rückgang der Briefe – gehen weiter. Das Halbjahresergebnis bestärkt uns darin, dass wir die Weiterentwicklung der Post vorantreiben müssen. Wir tun dies mit der neuen Strategie «Post von morgen».

Kann denn die neue Strategie trotz des tieferen Ergebnisses wie geplant umgesetzt werden?

Der Umsetzung steht nichts im Weg. Wie gesagt, die finanzielle Basis der Post ist gut: In den letzten sieben Jahren, seit die Post eine Aktiengesellschaft geworden ist, haben wir finanzielle Mittel von 1,3 Milliarden Franken aufgebaut. Das ist eine sehr gute Ausgangslage für die Weiterentwicklung des Unternehmens – aber wir sind gefordert, die Umsetzung konsequent und zielgerichtet vorzunehmen.

Was erwarten Sie als Finanzchef von der neuen Konzernstrategie?

Mir geht es vor allem darum, dass die Post ein gesundes wettbewerbsfähiges Unternehmen bleibt, das relevant ist für die Schweiz, die Grundversorgung selbst finanziert und attraktive, zukunftsfähige Arbeitsplätze bietet. Wir wollen zudem bis 2024 unser Betriebsergebnis bei rund 400 Millionen Franken stabilisieren. Um das alles zu erreichen, investieren wir in den nächsten Jahren jedes Jahr zusätzlich 200 bis 400 Millionen Franken – hauptsächlich in die beiden Wachstumsfelder Logistik- und Kommunikationsservices.

verfasst von

Camilla Krebs