Gewusst wie

Reden ist Silber, Schreiben ist Gold

Schreiben als Seelenwärmer in schwierigen Zeiten: Auch wenn Reisen gerade nicht angesagt ist, Reisen im Kopf ist immer möglich. Dazu braucht es nur Papier, Schreibgerät – und Brieffreunde.

Ruth Hafen

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Bald ist sie wieder da, die stille Zeit, wo wir uns mit Freunden und Familie treffen, gutes Essen geniessen und uns Zeit nehmen, um mit Dankbarkeit auf das vergangene Jahr zurückzublicken. Halt! Stopp, was soll das! Wir schreiben doch das Jahr 2020, in dem die Pandemie unsere Gesundheit bedroht und viele Familien arg gebeutelt hat. Worüber sollen wir uns denn da freuen? Wofür dankbar sein? Dabei ist es gerade die Dankbarkeit, haben Forscher herausgefunden, die uns helfen kann, wenn vieles trüb und ungewiss scheint. Viel mehr noch nütze es, einen Dankesbrief zu schreiben.

Glücksgefühl

In einem Experiment liessen zwei Psychologen der Universität Chicago Studenten einen Dankesbrief schreiben und absenden. In der Übung sollten sie darüber nachdenken, welche Chancen und Glücksfälle ihnen in ihrem Leben begegnet waren und welche Menschen daran Anteil hatten. Diesen sollten sie dann einen Brief schreiben und sich bedanken. Danach sollten sie Auskunft über ihr Befinden während und nach dem Schreiben geben. Auch die Empfänger wurden befragt. Ergebnis: Die Probanden fühlten sich nach dem Versenden des Briefs deutlich besser als zuvor. Gleichzeitig unterschätzten sie aber die positive Wirkung, die Freude und Überraschung, den ihr Brief bei den Empfängern des Dankesbriefs hatte.

Mehr Achtsamkeit geht wohl kaum

Schreiben, zumal das von Hand, hat auch sonst viele positive Effekte: Wenn wir Notizen handschriftlich machen statt auf einer Tastatur, können wir uns die Dinge besser merken. Verfassen wir einen Brief von Hand, müssen wir uns konzentrieren. Was wollen wir überhaupt schreiben? In welcher Reihenfolge? Was ist wichtig? Handgeschriebenes erfreut nicht nur die Empfänger, sondern wirkt sich direkt auf unseren Denkprozess aus. Absätze wie auf dem Computer hin- und herzuschieben, geht auf einem Blatt Papier nicht. Schreiben ist hier also wirklich Arbeit am Gedanken. Und zugleich eine wunderbare Übung in Achtsamkeit. Wir konzentrieren uns auf das Papier, den Stift, die Botschaft und darauf, so zu schreiben, dass es der andere auch gut lesen kann. Wer sich für Kalligraphie interessiert oder sich einmal mit einem fremden Alphabet befasst hat und beim Versuch, die neuen Buchstaben nachzuschreiben, die Welt vergessen hat, weiss, dass nur noch die Buchstaben, der Stift und das Papier existieren. Mehr Achtsamkeit geht wohl kaum.

Brieffreunde gesucht

Doch wem einen Brief schreiben? Wer gerade keine Zielperson für Dankes- oder Liebesbriefe hat, dem empfiehlt sich eine traditionelle Brieffreundschaft. Im Internet gibt es Plattformen, auf denen sich Gleichgesinnte treffen. Der Erstkontakt erfolgt elektronisch, danach flattern die Couverts ins Haus. Eine kleine Auswahl:

  • Kinder zwischen fünf und zwölf finden auf minispick.ch Gspändli zum Schreiben (Unterrubrik «Brieffreundschaften»).
  • Auf globalpenfriends.com oder penpalworld.com lassen sich mit einer Suchmaske potenzielle Brieffreunde auf der ganzen Welt ausfindig machen. Die Verkehrssprache ist hauptsächlich Englisch. Auf penpal-gate.net lässt sich die Suche nach Brieffreunden (neben Geschlecht und Alter) nach Stichworten (Reitsport, Garten etc.) oder Ländern filtern.
  • mylanguageexchange.com bringt Brieffreunde zusammen, die sich in einer Fremdsprache näherkommen wollen. Von Albanisch bis Zulu. 
  • Wer sich lieber kurz fasst und Postkartengrüsse aus aller Welt empfangen möchte, findet sein Glück auf postcrossing.com. Für jede abgeschickte Postkarte gibt es einen Gruss zurück – von irgendwo auf der Welt. Ähnlich wie Wichteln, aber mit Postkarten.

Für alle Fragen rund um Brieffreundschaften gibt es ein praktisches Wikihow.

verfasst von

Ruth Hafen