Hintergründe

«50 Rappen und ab kriecht die Schneckenpost»

Vor 30 Jahren wurde die B-Post eingeführt. Sie sorgte anfänglich für heftigen Gegenwind in den Medien. Heute hat sie schon fast Kultstatus erreicht. Entdecke noch mehr Fakten zur A- und B-Post.

Magalie Terre

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Fakt 1: Mehr Briefe – weniger Geld

Ende der 80er-Jahre beförderte die PTT jährlich 2,5 Milliarden Briefe. Die Direktion der Post ging von einem weiteren Anstieg der Zahlen aus. Gleichzeitig war die PTT zu diesem Zeitpunkt einem massiven Spardruck ausgesetzt.

Fakt 2: «Heute eingeworfen, morgen zugestellt»

Das Personal und die Maschinen gelangten an ihre Grenzen. Die Brief-Flut konnte aus Kapazitäts- und Kostengründen nicht mehr während des teuren Nachtdienstes in den Briefzentren verarbeitet werden. Es musste dringend eine Lösung her. Der jahrzehntealte Grundsatz «heute eingeworfen, morgen zugestellt» war in Gefahr – die Schaffung zweier Beförderungskategorien für Briefe wurde heiss diskutiert.

Briefmarke von 1990 mit dem Taxwert 50 Rappen.
Briefmarke von 1990 mit dem Wert 50 Rappen.

Fakt 3: Die Freiheit beim Briefversand

Am 1. Februar 1991 erfolgte der Paukenschlag. Mit der Einführung der A- und B-Post hatten die Kunden die Wahl zwischen der schnellen und langsamen Post. Fortan wurde die A-Post innerhalb eines Werktages zugestellt und kostete 80 Rappen. Die B-Post hingegen benötigte drei Werktage, kostete jedoch nur 50 Rappen (Siehe Bild oben).

Fakt 4: Neu eingeführt und gleich wieder abgeschafft?

Die Einführung der A- und B-Post verlief jedoch nicht reibungslos. Lediglich 93% aller A-Briefe erreichten im Frühjahr 1991 rechtzeitig ihren Empfänger. Die Bevölkerung war unzufrieden und betrachtete die Einführung der A- und B-Post als versteckte Tariferhöhung. Die Stimmen für eine Abschaffung des neuen Briefsystems wurden immer lauter.

Fakt 5: Der Rettungsplan der A-Post

Um die Kundenzufriedenheit zu steigern, unternahm die Post grosse Anstrengungen. Sie führte strenge Kontrollen in den Briefzentren und in den Filialen der Post durch und deckte mögliche Fehlerquellen auf. Mit Erfolg: Bereits 1992 kam die A-Post zu 98,5% rechtzeitig beim Empfänger an. Das System der A- und B-Post war gerettet.

Fakt 6: Zwei Briefkasten für einen Zweck

Nach Einführung der A- und B-Post stellte die Post in Aarau und Luzern versuchsweise zwei separate Briefkasten auf, damit die Kunden ihre A- oder B-Post-Briefe gleich selber sortieren konnten. Die Aktion blieb erfolglos.

Briefmarken A- und B-Post von 1993 mit Sujet Berge
Briefmarken A- und B-Post aus dem Jahre 1993

Fakt 7: Und dann waren’s zwei

Die neuen Briefmarken «A-Post und B-Post» wurden entworfen und unterschieden sich erstmals nicht nur durch den Taxwert auf der Briefmarke, sondern auch durch das unterschiedliche Briefmarkensujet.

Fakt 8: Ein Blick ins Ausland

Auch in unseren benachbarten Ländern gibt es Briefprodukte mit verschiedenen Laufzeiten. In Österreich, Frankreich und Italien gibt es inzwischen auch langsamere Briefprodukte. In Deutschland ist die Zustellung am Folgetag weiterhin Standard. Die PTT war mit der Einführung der B-Post im internationalen Vergleich eher früh dran.

Die neuen Briefmarken A- und B-Post
Die neuen Briefmarken A- und B-Post

Die neuen Briefmarken «A-Post und B-Post» sind ab dem 4. März 2021 in allen Filialen der Post und auf postshop.ch erhältlich.

verfasst von

Magalie Terre

Redaktorin