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InnoPodcast: Zukunft durch M&A

Welche Rolle will die Post in einer digitalen Welt noch spielen? Nicole Burth, Leiterin Kommunikations-Services bei der Post, weiss, wie der gelbe Riese die digitale Transformation schafft.

Stefan Kern

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Die Digitalisierung spürt die Post schmerzlich: Die Briefmenge ging seit 2002 um rund 40 Prozent zurück. Tendenz: weiter sinkend. «Die Digitalisierung des Briefes findet auch ohne die Post statt», so Burth, «die Frage ist vielmehr: ‹Auf welche Art und Weise?›» Ihr Geschäftsbereich Kommunikations-Services hat sich zum Ziel gesetzt, führend zu gestalten, statt zuzusehen. Im neusten InnoPodcast spricht sie über die Bedeutung von Diversität in Teams und erklärt, warum die Post kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) bei der Digitalisierung hilft.

Das Briefgeheimnis in die digitale Welt bringen

Dies geschieht nicht aus Profitgier. Die Post hat einen gesetzlichen Grundversorgungsauftrag. Einen Brief vom Wallis ins Tessin zu transportieren, kostet heute weit mehr als das Porto. Das Gleiche betrifft das Filialnetz, welches wie die Briefpost aufgrund der Digitalisierung immer weniger genutzt wird. Wie soll dieser Service public – ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft – in Zukunft finanziert werden? Was viele nicht wissen: Die Post erbringt ihre Leistung aus eigener Kraft und bezieht keine Subventionen. In den kommenden Jahren muss die Post neben der Erbringung des Service public rund 50 Millionen Franken Gewinn an die Bundeskasse abführen. 

Nicole Burths Plan zur Sicherung der Finanzierung des (defizitären) Service public: «Wir bringen das Briefgeheimnis in die digitale Welt.» Dabei macht die Post, was sie schon immer gemacht hat: Informationen sicher transportieren. Dies machen aber auch andere Anbieter. (Fast) jede Krankenkasse verfügt heute über ein Kundenportal, und Rechnungen können digital empfangen werden. Das Problem: «Die Digitalisierung fand bis jetzt aus Sicht der Einzelfirmen statt», so Nicole Burth. Niemand überlegte sich, ob Menschen dutzende Portale und Apps haben möchten. Das will sie ändern: einfach, sicher, digital.

Nicole Burth will mit Angeboten wie der neuen ePost-App die Digitalisierung aus der Vogelperspektive angehen – und schafft dabei Ökosysteme für KMU, Behörden und im Gesundheitswesen (Digital Health). Statt einzelner Portale ein einfaches, sicheres und digitales System, in denen die integrierten Lösungen untereinander kommunizieren.

Damit das gelingt, beteiligt sich die Post mehrheitlich an Firmen wie KLARA und SwissSign. Dabei steht die Post bisweilen auch in der Kritik, die Burth nicht auf sich sitzen lässt: «Die digitale Transformation läuft jetzt. Wir haben nicht die Zeit, eigene Lösungen zu entwickeln.» 

Unternehmen, die an einer Zusammenarbeit mit Nicole Burth und ihrem Team interessiert sind, können sich via espacelab@post.ch melden.

Zur Systemanbieterin berufen

Will die Post durch Zukäufe also den Service public retten? Nicht nur. Das Unternehmen sieht sich auch aufgrund ihrer über 170-jährigen Geschichte in der gesellschaftlichen Verantwortung. Gemäss einer Studie der Adecco Group werden bis 2030 rund 30 Prozent aller heutigen Jobs wegfallen – und durch neue ersetzt, die viel mehr digitale Kompetenz voraussetzen. Fit für den Wandel sind die Menschen hingegen nicht. «Viele Leute sind überfordert mit der Digitalisierung. Hier wollen wir ansetzen», beschreibt es Burth. Gleichzeitig wird diese Art von Hilfe zu einem Service public in der digitalen Welt.

Kritiker monieren, dass Private diese Rolle einnehmen sollen und kein Staatsunternehmen. Nicole Burth hält dagegen: «Die Post hat Millionen von Kundenkontakten und ist auch in den entlegensten Regionen unseres Landes vertreten. Die Post kennt die Bedürfnisse der unterschiedlichsten Akteure wie sonst kein Unternehmen. Dadurch ist sie prädestiniert, digitale Lösungen für Gemeinden und KMU sowie im Bereich Digital Health anzubieten.» Ausserdem muss die Post im Internet schon heute viele Attacken abwehren. «Wir gehören zu den meistangegriffenen Unternehmen im Internet. Wir können Informationen sicher im digitalen Raum transportieren», so Nicole Burth weiter.

Mit diversen Teams besser transformieren

Egal wie digital jede Transformation ist, am Ende wird sie immer noch von Menschen getragen – oder zu Grabe getragen. Erbringen die Teams keine guten Leistungen, wird jede noch so gute Strategie zum Papiertiger. Längst ist bewiesen, dass diverse Teams bessere Ergebnisse liefern und im Wandel die Nase vorn haben. Wie sieht es bezüglich Diversität bei der Post aus?

Die Post hat sich zum Ziel gesetzt, 30 Prozent der Kaderpositionen mit Frauen zu besetzen. Für Nicole Burth nicht genug: «Wir sollten höhere Ambitionen haben. Diverse Teams sind innovativer und arbeiten nachhaltiger.» Aus diesem Grund hat sie mit Valérie Schelker, Leiterin Personal und Mitglied der Konzernleitung der Post, die Führung des transversalen Themas Diversität und Inklusion übernommen. «Ausserdem wollen wir, dass Karrieren auch mit einem 80-Prozent-Pensum möglich sind, damit berufstätige Eltern die gleichen Chancen haben», so Burth zu ihrem Plan für mehr Diversität. Im Auge hat sie dabei vor allem die Mütter. Gemäss des Gender Intelligence Reports der HSG erledigen erwerbstätige Mütter rund 70 Prozent der häuslichen Arbeit. Dies hat Konsequenzen: Obwohl 42 Prozent der Mitarbeitenden Frauen sind, entfallen nur 36 Prozent der Beförderungen auf Frauen (Advanced & HSG Gender Intelligence Report 2019).

Von CEO Roberto Cirillo überzeugt worden

Wer Nicole Burth sprechen hört, merkt, dass sie einen privatwirtschaftlichen Hintergrund hat. Bevor sie zur Post stiess, war sie bei Adecco globale Finanzchefin und CEO der Adecco Gruppe Schweiz. Post-CEO Roberto Cirillo überzeugte sie, beim Staatsunternehmen einzusteigen. Ihre berufliche Karriere startete sie im Bankenwesen als Analystin. Nicole Burth verfügt über Erfahrung im Bereich Mergers & Acquisitions sowie in der Entwicklung von digitalen Angeboten. 

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verfasst von

Stefan Kern