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«Das beste Hobby der Welt»

Schnelle Fäuste und harte Kämpfe gehören zu seinem Alltag: Der Berner Richard Schaefer ist in Los Angeles erfolgreicher Boxpromoter und muss auch mal mit harten Bandagen kämpfen. In seiner Freizeit taucht er am liebsten in die Postgeschichte ein: Er ist ein leidenschaftlicher Briefmarkensammler.

Claudia Langenegger

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Copyright: Jonas Mohr

Richard Schaefer, Sie sind wohl der einzige Boxpromoter, der Briefmarken sammelt?

Ja, ich denke schon. Mir hat es immer gut getan, dass ich beim Briefmarkensammeln abschalten und mich geistig beschäftigen kann. Denn das Boxen ist manchmal ein «Nasty Business» – ein garstiges Geschäft: Ich muss auch neben dem Ring oft mit harten Bandagen kämpfen.

Haben Sie neben dem Business überhaupt Zeit fürs Sammeln?

Als ich als Banker Karriere gemacht habe und später, als ich die Rekordkämpfe mit Mayweather und Oscar de la Hoya organisiert habe, kam das Sammeln sicher zu kurz. Doch jetzt, in der Coronakrise habe ich viel Zeit. Ich bin ich wahnsinnig dankbar, habe ich die Philatelie. Es ist das beste Hobby der Welt! Es bereitet mir jeden Tag grosse Freude.

Wie kamen Sie zu den Briefmarken?

Mein Grossvater war schon «Briefmärkeler», er hat meinen Vater und mich damit angesteckt. Mein Vater ist ein Philatelieprofi, er hat für seine Sammlungen wichtige Preise gewonnen und mehrere Bücher geschrieben.

Wann haben Sie ernsthaft angefangen zu sammeln?

Als Teenager. Mit 26 Jahren habe ich dann mit meiner ersten Sammlung an einer Ausstellung teilgenommen und gleich den ersten Preis gewonnen. Thema war die Schweizer Auslandspost vom 15. bis anfangs 20. Jahrhundert – eine bis heute einzigartige Zusammenstellung.

Und heute?

Mich interessiert hauptsächlich Schweizer Postgeschichte. Ich finde es spannend, wer einen Brief geschrieben hat, was für einer es war – ein Handelsbrief, ein Liebesbrief oder eine Rechnung? – ob der Brief per Schiff, Kutsche, Zug, Kurier transportiert wurde, wer wie bezahlt und wie lange er unterwegs war.

Bewahren Sie die gesammelten Stücke im Tresor auf?

Nein, sobald ich etwas Schönes beisammen habe, lasse ich es wieder in Umlauf kommen und wende mich einem neuen Thema zu. Mich reizt das Forschen, Finden, Zusammenstellen und Beschriften, nicht das Aufbewahren.

Sie leben seit 1987 in Los Angeles. Sammeln Sie nun amerikanische Marken?

Nein, ich bin der Schweiz treu geblieben. Ich schätze es sehr, dass ich dadurch meine Kontakte in die Schweiz pflegen kann. Ich tausche mich häufig mit Sammlern und Händlern aus und telefoniere jede Woche zwei- bis dreimal mit meinem Vater.

Sie sind ein wichtiger Promoter im US-Boxgeschäft, haben mit Weltmeistern wie Oscar de la Hoya und David Haye zusammengearbeitet, Floyd Mayweather ist ein guter Freund. Reden Sie mit den Sportlern über Ihr Hobby?

Nein! Sie würden wohl denken, ich sei verrückt, dass ich mich für ein so kleines Stück Papier interessiere und auch noch viel Geld dafür ausgebe! Ich rede mit ihnen über Themen, die sie interessieren – schnelle Autos und Boxkämpfe. Ich trenne diese beiden Welten.

Ihre Lieblingsbriefmarke?

Die Baslertaube natürlich. Die erste farbige Briefmarke – ein unvergänglicher Klassiker.

Richard Schaefer (59) ist in Muri bei Bern aufgewachsen. Vor gut dreissig Jahren ist er nach Los Angeles gezogen und hat als Banker bei Bankverein und UBS Karriere gemacht. 2002 gründete er mit Boxweltmeister Oscar de la Hoya «Goldenboy Promotions» und stieg damit bald an die Spitze im US-amerikanischen Boxgeschäft auf. 2014 verliess Schaefer «Goldenboy» und hat heute mit «Ringstar Sports» seine eigene Promotionsfirma. Er wohnt mit seiner Frau und seinen drei Söhnen in Los Angeles.

verfasst von

Claudia Langenegger

Redaktorin