Hintergründe

Edelweisshemd: Vom Arbeitsgewand zur Ikone des Schwingsports

Es gehört zum Schwingsport wie das Sägemehl und ziert auch die Sondermarke zum Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2025: das Edelweisshemd. Einer der grössten Hersteller plaudert bei einem Besuch im Atelier aus dem Nähkästchen.

Nathalie Stöckli

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Rea und Samuel Jenni prüfen in ihrem Atelier einen Edelweiss-Stoffballen.
Rea und Samuel Jenni prüfen in ihrem Atelier einen Edelweiss-Stoffballen. (Foto: Post)

An der Lenggasse 4 in Meiringen rattern die Nähmaschinen. Stoffe werden zugeschnitten und einzelne Teile für Kragen sowie Manschetten gebügelt. «Willkommen in unserem Atelier», begrüsst Samuel Jenni uns zum Rundgang durch den Familienbetrieb, den er gemeinsam mit zwei Geschwistern führt. Nebst den Produktionsstandorten im Tessin und in Slowenien, wo grössere Serien umgesetzt werden, kümmert sich das Team hier im Atelier vor allem um Kleinserien, Anpassungen und Spezialanfertigungen. Samuel ist für das Marketing und die Sortimentsgestaltung zuständig. Gerade fädelt er die neue Kollektion ein: «Wir sind dabei, die aktuelle Streetwear-Linie zu lancieren. Diese kombiniert urbane Kleidung mit dem Edelweissstoff als Akzent, beispielsweise auf der Innenseite der Kapuze eines Hoodies.»

Im Nähatelier entstehen Kleinserien oder Spezialanfertigungen.
Im Nähatelier entstehen Kleinserien oder Spezialanfertigungen. (Foto: Post)

Folkloremode im Ausland neu entdeckt

Samuel wächst mit dem Edelweiss auf. Vor über 45 Jahren fingen seine Eltern damit an, Hemden zu produzieren, und verkauften sie in ihrem «Märithüsli» beim Freilichtmuseum Ballenberg. «Als Jugendlicher fand ich das Edelweiss natürlich uncool.» Doch später ändert sich sein Blick darauf grundlegend: «Beim Reisen fiel mir in Mexiko auf, dass folkloristische Muster auch im Alltag auf der Strasse zu sehen sind – etwa auf Taschen. Ich fand Gefallen daran und wollte dasselbe mit dem Edelweiss umsetzen.» So kreierte der passionierte Skater und Snowboarder vor 13 Jahren eine Kollektion mit seiner Handschrift.

Original Edelweissmuster

Zur klassischen Linie gehört das original Edelweisshemd, für das der Betrieb bekannt ist. Doch was heisst original? Zur Demonstration rollt Samuels Schwester Rea Jenni einen Stoffballen auf dem Tisch aus: «Das klassische Edelweisshemd ist hellblau und besteht aus 100 Prozent Baumwolle. Der Stoff wird aus doppel­fädigem Garn – einem sogenannten Doppelzwirn – gewoben, was ihn besonders robust macht.» Klassisch werde es langärmlig, mit Stehkragen und halbgeknöpft getragen. «Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist die breite, wilde Blume – sie entspricht dem originalen Muster, das die Weberei Gugelmann aus Roggwil für die ersten Hemden erfunden hatte.»

Vom Arbeitshemd zum Schwingerhemd

Ursprünglich wurde das Edelweisshemd für die Arbeit getragen. Ab den 1970er-Jahren hielt es aufgrund der robusten und gleichzeitig weichen Beschaffenheit im Schwingsport Einzug. Meist in der kurzärmligen, weitgeschnittenen Variante. Weil vermehrt auch Anfragen für enganliegende Schnitte kamen, entwickelten Jennis ein elastisches Modell aus Jerseystoff mit Reissverschluss und Edelweiss-Aufdruck. «Der Stoff trocknet schneller und das Sägemehl haftet weniger daran», erklärt Rea. Wenn die Hemden zum Schwingen getragen werden, gilt ein besonderes Augenmerk den Knöpfen. Um beim «Hosenlupf» nicht abzufallen, werden sie doppelt vernäht und die Enden der Fäden verschweisst. Eine weitere Besonderheit: Die Farbe, die man als Kind für das Edelweisshemd wählt, behält man eine ganze Schwingerkarriere bei. Entgegen der weitverbreiten Annahme hätten die Farben aber keine Bedeutung. «Anders als Trachten gibt es beim Edelweisshemd keine regionalen Unterschiede – es ist in der ganzen Schweiz gleich», erklärt Samuel.

Die Farbe, die man als Kind für das Edelweisshemd wählt, behält man eine ganze Schwingerkarriere bei.
Die Farbe, die man als Kind für das Edelweisshemd wählt, behält man eine ganze Schwingerkarriere bei. (Foto: Post)

Steigende Nachfrage erwartet

Jennis Kundschaft kommt hauptsächlich aus ländlichem Gebiet. «Nach dem Schwingfest in Zug kamen aber plötzlich auch Anfragen aus Zürich», beobachtete Samuel. Nicht nur bei Jodlerfesten werde das Edelweiss getragen, sondern immer mehr auch bei Oktoberfesten oder Hochzeiten. Im Hinblick auf das kommende Eidgenössische Schwing- und Älplerfest im Glarnerland sei die Nachfrage im Moment noch gut zu bewältigen, was sich bald ändern dürfte: «Der grosse Ansturm kommt vermutlich im August kurz vor dem ESAF», weiss Samuel aus Erfahrung.

Sondermarke zum Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest 2025 Glarnerland+ mit Stoff-Haptik

Das folkloristische Muster des Edelweisshemdes steht auch im Zentrum der Sondermarke zum Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2025. Als Besonderheit weist die Marke die Haptik von Stoff auf. Die Marken und weitere philatelistische Produkte zum EASF 25 erhalten sie bis zum 30.6.2026 oder solange Vorrat auf postshop.ch sowie in den Filialen.

Die Marke zeigt den Stoff eines Edelweisshemdes im Detail.
Einzelmarke (Foto: Post)
Kleinbogen mit 10 Marken
Kleinbogen mit 10 Marken (Foto: Post)

Das ESAF 2025 Glarnerland+

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2025 Glarnerland+ findet vom 29. bis 31. August statt – und damit in der 130-jährigen Geschichte des Eidgenössischen Schwingerverbandes erstmals im Glarnerland. Auf dem 70 Hektar grossen Festgelände werden während drei Tagen rund 270 teilnehmende Schwinger, 70 Steinstösser und 350 000 Besucherinnen und Besucher erwartet. Das ESAF ist nicht nur der grösste wiederkehrende Sportanlass, sondern auch ein bedeutendes kulturelles Erbe der Schweiz.

Weitere Infos unter: esaf2025.chTarget not accessible

verfasst von

Nathalie Stöckli

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