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Sihlpost: Von der «Postfabrik» zum Begegnungsort

Nach zehn Monaten Umbau eröffnet die Post am 1. Dezember 2025 die rundum erneuerte Sihlpost – mit viel Holz, offenen Schaltern und einem Konzept, das auf Nähe setzt.

Thomas Häusermann

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Ein Mann sitzt auf der grossen Holztreppe der neuen Sihlpost, die mit LED-Paneelen und Sitzkissen ausgestattet ist. Er hält ein Smartphone in der Hand und lächelt leicht, während im Hintergrund das moderne Interieur mit Glasgeländern sichtbar ist.
Die grosse Holztreppe mit LED-Pannels bildet das Herzstück der neuen Sihlpost. Sie lädt zum Verweilen ein und wird für Events genutzt.

Ein Freitagvormittag im September. Die grosse, geschichtsträchtige Schalterhalle der Sihlpost ist durch eine Bauwand in der Mitte geteilt. Auf der einen Seite gehen Kundinnen und Kunden ihren normalen Postgeschäften nach. Es herrscht viel Betrieb. Vom Baulärm ist fast nichts zu hören. «Bis auf ein paar wenige Ausnahmetage merkten wir in den vergangenen Monaten gar nicht, dass wir auf einer Baustelle arbeiteten», sagt Robert Nissan, Filialleiter der Sihlpost. «Die Investition in diese dicke, mehrschichtige Bauwand hat sich definitiv gelohnt.»

Umbau der historischen Schalterhalle: Die Aufnahme zeigt eine grossflächige Baustelle im Inneren der Sihlpost. Leitungen, Werkzeuge, Holzgerüste, Kartons und Baumaterial liegen bereit; Gerüste und provisorische Bodenabdeckungen strukturieren den Raum. Im Hintergrund sind Baupläne und Materialien für den weiteren Ausbau zu sehen.
Die historische Schalterhalle im Umbau: Die riesige Bauwand im Hintergrund ermöglichte während der zehnmonatigen Bauphase den durchgehenden Filialbetrieb.

Postfabrik statt Postpalast

Mit der Wiedereröffnung am 1. Dezember 2025 beginnt für die Sihlpost das nächste Kapitel ihrer langen, bewegten Historie. Seit sie in den 1930er-Jahren den Betrieb aufnahm, stand sie für Innovation und den Wandel der Post. So läutete der wuchtige Bau neben dem Zürcher Hauptbahnhof damals auch architektonisch ein neues Zeitalter für die Post ein, weg von den monumentalen, repräsentativen Postpalästen mit reich dekorierten Fassaden, Säulenportalen, Marmor und Messing, wie sie noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurden. Mit dem Bau der Sihlpost vollzog die damalige PTT einen Kurswechsel: Statt Repräsentation stand nun die Funktion im Vordergrund. Während frühere Postgebäude als Aushängeschilder des Bundes gedacht waren, diente die Sihlpost primär der Optimierung von Abläufen. Sie wirkte daher nicht wie ein Palast, sondern wie eine Fabrik der Post – ein Industriegebäude im Herzen der Stadt. Die technische Ausstattung mit Förderbändern, Aufzügen und sogar einer eigenen unterirdischen Schienenverbindung zu den Gleisen des Hauptbahnhofs machte das Gebäude zu einem Prototyp der modernen Logistikarchitektur. Die Sihlpost war in ihren frühen Jahren eines der modernsten Postgebäude der Welt.

Schwarzweiss-Fotografie einer historischen Poststelle: Mehrere Mitarbeitende sortieren und verpacken Pakete an langen Arbeitsflächen. Im Vordergrund sitzen und stehen Personen an Schreibtischen mit Formularen und Waagen; im Hintergrund sind Sortierfächer, grosse Briefwaagen und Transportwagen zu sehen.
In den frühen Jahren – hier 1952 – stand den Kundinnen und Kunden der Sihlpost nur ein schmaler Streifen vor der Schalterfront zur Verfügung. Moderne Filialen sind offen gestaltet und setzen auf Interaktion.

Holz, hell, modern

Und nun spielt die Sihlpost wieder eine Pionierrolle: Aus der ehemaligen «Postfabrik» wird ein Begegnungsort. Viel Holz, helle Farben und Pflanzen sorgen im modernen Dienstleistungszentrum für eine freundliche Atmosphäre. Die trennenden Sicherheitsglasscheiben sind offenen Schaltern gewichen. Separate Beratungstheken, an denen sich die Kundinnen und Kunden über die verschiedenen Dienstleistungen der Post und ihrer Partner informieren können, ergänzen das Angebot. Die Möblierung ist modular und kann laufend den Kundenbedürfnissen angepasst werden. «Ziel ist es, dass wir eintretende Kundinnen und Kunden begrüssen und ihnen zeigen, wo sie möglichst einfach und schnell zur gewünschten Dienstleistung oder Beratung kommen», erklärt die stellvertretende Filialleiterin Jasmin Kita-Di Natale und zeigt auf den Eingangsbereich. Wer warten muss, findet in der Filiale verschiedene Lounges und andere Sitzgelegenheiten. 

Eine Mitarbeiterin der Post steht an einem Beratungstisch in einer modern gestalteten Filiale und spricht mit einer Kundin. Die Mitarbeiterin hält eine Tasse mit Post-Logo und gestikuliert freundlich, während im Hintergrund Regale, Holz­elemente und ein grüner Wandbelag mit dem Schriftzug «Beratung» zu sehen sind.
Statt einer langen Schalterfront finden Kundinnen und Kunden in der Sihlpost eine modulare Möblierung mit viel Holz und Grün vor.

Die Filialen bleiben wichtig

Auch wenn die Sihlpost durch die Neueröffnung im Scheinwerferlicht steht: Die Post investiert nicht nur in Zürich, sondern im ganzen Land in die Modernisierung ihrer Filialen und macht ihr Netz für rund 100 Millionen Franken fit für die Zukunft. Bereits rund 420 Filialen haben so ein neues Gesicht erhalten. Die Neugestaltung folgt einem einheitlichen Konzept – sinnbildlich dafür ist etwa, dass überall die Trennscheiben an den Schaltern verschwinden.

Die eigenbetriebenen Filialen der Post bleiben also auch künftig ein zentraler Bestandteil des dichten Netzes von rund 5000 bedienten und unbedienten Zugangspunkten im ganzen Land. «Wir sind davon überzeugt, dass die persönliche Beratung und der direkte Kontakt mit den Kundinnen und Kunden auch in einer zunehmend digitalen Welt wichtig bleiben», so Thomas Baur, Leiter von PostNetz und stellvertretender Konzernleiter der Schweizerischen Post.

verfasst von

Thomas Häusermann