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Der Sound der Alpen

Von Michael Krobath | 27.08.2015

«Dü-da-doo»! Drückt der Postautochauffeur vor besonders engen Stellen der Bergstrassen das Warnhorn seines Gefährts, so lässt das keinen kalt. Die asiatischen Touristen im Bus jubeln. Den einheimischen Passagieren zaubern die Töne ein Lächeln ins Gesicht, Erinnerungen an vergangene Schulreisen oder Wanderferien werden wach.

Der berühmte Dreiklang ist längst mehr als ein Verkehrssignal. Neben der für die Post typischen gelben Farbe ist er ein Wahrzeichen der Schweizer Postautos.

Klangmotiv von Rossini

Hergestellt wird dieses seit 75 Jahren exklusiv von Moser-Baer in Sumiswald. Alle drei bis vier Jahre bestellt PostAuto im Emmental eine 100er-Serie neuer Hörner. Das berühmte Klangmotiv ist dem Andante der Ouvertüre zu Gioacchino Rossinis Oper «Wilhelm Tell» entlehnt und umfasst die Tonfolge cis-e-a in A-Dur. «Da ist absolute Präzision gefragt», erklärt Geschäftsführer Reto Reist, «deshalb stimmen wir nicht nach Gehör, sondern messen die Frequenzen». Eine ohrenbetäubende Angelegenheit. Die Lautstärke des Posthorns liegt bei 100 Dezibel in zehn Metern Entfernung, was dem Lärmpegel eines Presslufthammers entspricht. Obwohl der finale Arbeitsschritt im Kellergeschoss der Fabrik geschieht, weiss deshalb auch die Nachbarschaft, wenn hier gerade wieder einmal ein Posthorn fertiggestellt wird.

Seit 1923 im Einsatz

Die Geschichte des Posthorns ist so alt wie jene der Post selbst. Schon die Postillione der Pferdepostkutschen bliesen in ein Horn, um ihre Ankunft und Abfahrt zu verkünden. Telefon und Telegraf verdrängten das Posthorn nach und nach, erst mit dem Aufkommen der motorisierten Alpenpost ab 1919 wurde der Einsatz des Horns wieder ein Thema. Vorerst baute man handbetätigte Autohupen ein, deren Reichweite jedoch viel zu bescheiden war, sodass es in den engen Serpentinen immer wieder zu Unfällen kam. Schliesslich gab die Schweizerische Post den Bau eines Dreiklanghorns mit einem elektrischen Kompressor in Auftrag, und 1923 war es so weit: Erstmals schmetterte ein Postauto das Rossini-Motiv an den Fels.

Kein Auslaufmodell

Bis heute sind die Posthörner kein Auslaufmodell. Rund ein Drittel der etwa 2200 Postautos sind mit einem Posthorn ausgerüstet. Das Horn hat längst Kultcharakter. Regelmässig ereilen Moser-Baer Kaufanfragen von Busunternehmern und Privatpersonen. «Sogar aus Australien meldete sich ein Heimwehschweizer », sagt CEO Reto Reist, «aber wir winken immer ab.» Denn das «Dü-dadoo » soll bleiben, was es ist: das akustische Synonym für Schweizer Postautos – und der Dreiklang der Heimat.

Video-Wettbewerb: #tütatoo singen und gewinnen

Cis-e-a in A-Dur, ein Kinderspiel für dich? Singe oder vertone die berühmten drei Töne und posten dein Video mit dem Hashtag #tütatoo auf Instagram. Zu gewinnen gibt es eine Extrafahrt im Postauto für dich und deine Freunde. Wichtig: Damit wir das Video sehen können, muss dein Instagram Account öffentlich sein. Teilnahmeschluss ist der 30.09.2015, die Teilnahmebedingungen findest du hier.

Die vollständige Reportage zur Entstehung des Posthorns findest du in der Ausgabe August 2015 vom «magazin» (PDF, 12.7 MB)Dokument ist nicht verfügbar..

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