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«Ich liebe meinen Job einfach.»

Von Janina Gassner | 03.05.2018

Nina ist 19 Jahre alt und macht derzeit eine ICT-Berufslehre zur Systemtechnikerin bei der Post. Damit ist sie in der Branche eine Exotin. Über mehr Kolleginnen würde nicht nur sie sich freuen.

Eigentlich wollte Nina Tierärztin werden. «So ein typischer Mädchen-Beruf halt», sagt sie lachend. In der achten Klasse fing sie aber an, sich für Informatik zu interessieren. Um herauszufinden, ob eine IT-Lehre wirklich etwas für sie wäre, recherchierte sie und nahm an Schnupperkursen teil. Gerade bei ihren Schulkameradinnen ist sie damit nicht immer auf Verständnis gestossen. Und auch ihre Eltern hatten zuerst Zweifel an dieser Entscheidung: Ninas Vater dachte, es sei eher ein Nacheifern, da er selber in der IT-Branche tätig ist. Ihre Mutter sah Nina eher im künstlerischen Bereich. 

Nina geht ihren Weg

Nina hat sich durchgesetzt – sie beendete ihre Schule mit einem guten Sekundarabschluss und startete 2015 ihre vierjährige ICT-Berufslehre bei der Post. Das erste Lehrjahr hat sie mit allen Lernenden gemeinsam in der Basisausbildung verbracht. Hier wurden ihr die Grundlagen der Informatik vermittelt. Auch in kleineren Projekten durfte sie ihr Können unter Beweis stellen.

Ab dem zweiten Lehrjahr spezialisieren sich die Lernenden auf eine von drei Fachrichtungen: Systemtechnik, Applikationsentwicklung oder Betriebsinformatik stehen zur Auswahl. Nina hat sich für Systemtechnik entschieden. Im zweiten Lehrjahr hat sie zwei Stages absolviert – eines beim User Help Desk (ein Post-interner IT-Service) und eines im Team für Windows-basierte Services. Bis zum Ende der Lehre bleibt sie nun in ihrem dritten Stage im Linux Service Team. Dort ist sie zuständig für die einwandfreie Funktion von Anwendungen wie zum Beispiel der Sendungsverfolgung oder E-Voting. Theoretisch hätte sie bis zum Ende ihrer Lehre noch weitere Stages abschliessen können. Für Nina passt im Linux Team aber alles zusammen. 

Informatik ist mehr als Programmieren

Ninas Aufgabenbereich ist vielfältig: sie installiert Software, erweitert Gerätekonfigurationen und schult Anwender und Anwenderinnen. Sie plant, realisiert und administriert Netzwerke. Sie betreibt Internet-Server und überwacht sie. Sie ist auch verantwortlich für das Backup und den Schutz der Daten. Am meisten gefällt ihr aber die Abwechslung im Arbeitsalltag. «Jeder Tag ist total anders, weil ich jeden Tag mit anderen Problemen konfrontiert werde, die ich dann lösen darf. In meinem Team bieten wir einen 3rd Level Support für Services, die von Endkunden genutzt werden. Da kann jeder Fehler wirklich grosse Auswirkungen haben.»

Wer sich für eine Lehre in der Informatik bewerben will, sollte gut in Mathe sein. Für Nina sind aber auch andere Eigenschaften ausschlaggebend: «Englisch! Ohne Englisch kommt man in der Informatik nicht weit.» Auch logisches Denken, genaues Arbeiten und der Wille, sich ständig weiterzuentwickeln, sind für sie unabdingbar. «Mein Berufsfeld entwickelt sich ständig weiter. Da darf man nicht stehen bleiben.»

Für mehr Frauen in der IT

In ihrem Team ist Nina die einzige Frau. Ein Problem war das aber während der ganzen Lehre noch nie. «Ich habe noch nie einen dummen Spruch gehört, weil ich ein Mädchen bin. Im Gegenteil. Mein Chef würde gern noch weitere Frauen im Team haben. Aber leider gibt es im Moment noch nicht viele gut ausgebildete Frauen in der IT.»

Genau diesem Problem hat sich die Initiative «Swiss TecLadies» angenommen. Die Schweizer Akademie der Technischen Wissenschaften, die Werner Siemens Stiftung und verschiedene Schweizer Unternehmen und Politiker möchten Mädchen zwischen 13 und 16 Jahren den Zugang zu technischen Berufen erleichtern. Auf spielerische Art können interessierte Mädchen ihr Technik-KnowHow in der Online-Challenge testen und sich bei besonders guten Ergebnissen in der Challenge für ein Mentoring-Programm bewerben. Im Mentoring-Programm werden die Mädchen ein Jahr lang von einer Wissenschaftlerin oder Geschäftsfrau begleitet. Das Ziel ist es, den Mädchen einen Einblick in die Berufswelt zu gewähren und sie in der persönlichen Entwicklung zu unterstützen.

Wie es nach der Lehre weitergehen soll, weiss Nina auch schon. «Zuerst möchte ich gern noch die Berufsmatur machen. Und danach vielleicht ein Studium zur Wirtschaftsinformatikerin oder Wirtschaftsingenieurin. Auf jeden Fall möchte ich in der IT bleiben. Denn ich liebe meinen Job einfach.»

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