Hauptinhaltsbereich

Zur Übersicht

Stefan Kunz verrät, wie du im Handumdrehen handletterst

Von Sandra Gurtner | 30.01.2019

Mit seiner Kunst inspiriert Stefan Kunz Fans aus aller Welt. Für uns hat er aus hunderten Icons von Post-Dienstleistungen einen Schriftzug kreiert. Während dem achtstündigen Entstehungsprozess habe ich dem bekanntesten Handletterer der Schweiz entlockt, wie er sein Hobby zum Beruf gemacht hat, weshalb ihn das Flugzeugpersonal beschenkt und wie du den Einstieg in die Welt des Handletterings meisterst.

Stefan, wieso ist Handlettering so beliebt?

Ich glaube, weil viele Menschen zurück zu etwas Handfestem wollen und sich von Natur aus zu Schönem hingezogen fühlen. Für mich ist es eine Form mich auszudrücken, also eine Art zu kommunizieren.

Als Post-Mitarbeiterin muss ich fragen: Schreibst du als Handlettering-Künstler eigentlich auch Briefe?

Ehrlich gesagt, schreibe ich selten Briefe. Dies vor allem, weil ich persönliche Kontakte eher in der digitalen Welt pflege.

Von dir darf man also keine durchgestylte Post erwarten?

Im konventionellen Sinn nicht. Manchmal gestalte und schreibe ich persönliche Karten. Ich fliege viel und kreiere z. B. für die Cabin Crew eine Dankeskarte. Oft geht ihre Arbeit in der Selbstverständlichkeit unter und auf Dank reagieren sie entsprechend emotional. Einmal haben sie mir im Gegenzug sogar ein Teddybär geschenkt, auf den sie während dem Flug extra meinen Namen gestickt haben.

Dann sollte man für eine Fluggesellschaft arbeiten, um mit deiner Arbeit in Kontakt zu kommen?

Es reicht vollkommen aus, mir auf Instagram oder YouTube zu folgen. Dort probiere ich viel aus, gebe meinen Ideen Raum und teile auch immer wieder Handlettering-Tutorials mit meiner Community.

© Stefan Kunz

Bist du so hauptberuflicher Handlettering-Künstler geworden?

Gewissermassen schon. Früher habe ich für eine Bank gearbeitet. Gestaltung war zu dieser Zeit mein Hobby. Angefangen habe ich mit Collagen, die ich auf Instagram geteilt habe. Danach machte ich erste Handlettering-Versuche, die ich ebenfalls auf Social Media zeigte. Meine Arbeiten erfreuten sich so grosser Beliebtheit, dass ich seit 2015 hauptberuflich handlettere. Bis dahin war mir gar nicht bewusst, dass dies mein Job werden könnte. Heute habe ich meine eigene GmbH und versuche mindestens einmal am Tag etwas zu gestalten.

Und wenn dir die Inspiration fehlt?

Dann schaue ich mich auf Pinterest um. Dort versuche ich etwas zu finden, dass ich zweckentfremden kann. Oft liegt das Interessante versteckt hinter etwas Offensichtlichem.

Hast du einen Einstiegstipp für zukünftige Handletterer und Handlettererinnen?

Ja: Sie sollen nicht lange überlegen und einfach anfangen! Das klingt simpel, ist aber in Wirklichkeit recht schwierig. Vor allem, weil am Anfang noch nicht alles perfekt läuft oder man sich im neuen Feld nicht auskennt. Es braucht eine Portion Mut, sich auf das Unbekannte einzulassen. Ich weiss aber aus eigener Erfahrung, dass man alles hat, was man zum Anfangen benötigt. Das Wichtigste ist, dass es Spass macht und man immer einen Schritt weitergeht, als geplant. Deshalb auch mein Mantra: Kreiere jeden Tag etwas, auch wenn es nicht perfekt ist.

Wer ist dein Handlettering-Vorbild?

Momentan finde ich die Australierin Gemma O’Brien super. Wir haben uns auch einmal in Sydney getroffen. Sie ist nicht nur talentiert, sondern auch sehr nett.

Zu guter Letzt: Welches Objekt würdest du am liebsten mit deiner Kunst verschönern?

Ganz klar: den Super-Jumbo A380, der danach vor meinem Haus vorbeifliegt. Ich könnte mir aber auch vorstellen etwas Kleineres zu gestalten, z. B. eine Briefmarke.

Für alle Handlettering-Interessierten haben wir auf schreiben.post.ch/schoenschreib-kunst weitere nützliche Tipps zum Thema zusammengestellt. Viel Spass beim Kreieren!

Kategorien