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Niklaus Bartlome arbeitet im «Gedächtnis» der Post

Von Carina Kammermann | 23.12.2016 | 2 Kommentare

Als Leiter Postarchiv sorgt Niklaus Bartlome dafür, dass die Gegenwart sauber dokumentiert wird und die Vergangenheit jederzeit greifbar bleibt. Im Interview erzählt er von seiner Arbeit.

Herr Bartlome, wird dieses Interview einen Platz im Postarchiv finden?

Kaum. Die Post beschäftigt über 60’000 Mitarbeitende. Da entstehen unglaubliche Datenmengen. Wir können nur einen Bruchteil davon für längere Zeit aufbewahren – Informationen, die für den Konzern spezielle Bedeutung haben oder besonders typisch sind. Das Interview mit dem Postarchivar gehört nicht in diese Kategorie.

Konkret: Was beherbergt das Postarchiv?

Primär Dokumente von historischer oder juristischer Bedeutung. Erstere werden unbefristet aufbewahrt, damit sich nachfolgende Generationen ein Bild der Schweizerischen Post machen können. Zum Beispiel die Protokolle des Verwaltungsrats und der Konzernleitung, die Mitarbeiterzeitung oder Werbeprospekte, die exemplarisch für eine Epoche stehen. Dokumente von juristischer Bedeutung werden nur für eine bestimmte Dauer aufbewahrt. Zu dieser Kategorie zählen u. a. mehrere Hunderttausend Verträge mit Kunden und Lieferanten.

Gleicht das Archiv eher einem Hochregallager, in dem sich Berge von Papier stapeln, oder eher einem Rechenzentrum, das Terabytes von Informationen speichert.

Weder noch. Unser Archiv gleicht einem klassischen Magazin: Kellerräume mit Rollregalen. Rollregale eignen sich besser als Hochregale, um unterschiedlichste Medien und Formate einzulagern: Papiere, Filme, Videokassetten, Audiokassetten, Magnetbänder, CDs, DVDs, Disketten, Magnetplatten usw. Was den Vergleich mit dem Rechenzentrum betrifft: Unser Archiv ist nach wie vor durch analoge Medien geprägt – insbesondere der historische Teil. Aber klar: Wir speichern auch viele Dokumente elektronische ab, insbesondere Verträge.

Was entscheidet über die Wahl des Speichermediums?

Volumen, Kosten, Informationsart, Nutzungshäufigkeit usw. Für Informationen, die über mehrere Hundert Jahre aufbewahrt werden sollen, sind analoge Medien wie Papier oder Mikrofilm die kostengünstigste Variante. Digitale Daten müssen laufend umkopiert werden. Wer weiss schon, welche Betriebssysteme und Lesegeräte in zwanzig oder hundert Jahren im Einsatz stehen werden? Umgekehrt haben digitale Daten den Vorteil, dass sie ortsunabhängig und von mehreren Interessenten gleichzeitig genutzt werden können und – sofern es sich um Textdokumente handelt – eine Stichwortsuche möglich ist.

Was in Archiven lagert, wird selten mehr gebraucht. Trotzdem muss es bei Bedarf sofort auffindbar sein. Sind Archivare eine Art Vergangenheitslogistiker?

Das kann man so sagen. Archive sind das Gedächtnis der Menschheit. Archivare bewahren und bewirtschaften dieses Gedächtnis. Und sie sorgen dafür, dass gesuchte Informationen rasch gefunden werden. Das hat viel mit Logistik zu tun.

Sie sind Historiker. Welche geschichtsträchtigen Trouvaillen lagern im Postarchiv?

Genau genommen sind es zwei Archive – jenes der Post und jenes der ehemaligen PTT. Letzteres reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück und enthält viele Trouvaillen. Wunderschön gestaltete Post-Traktate, Weisungen wie jene zum sparsamen Umgang mit Bindfäden, Briefe von Jeremias Gotthelf, der sich über die Zeitungszustellung beschwert, die Verfügung zum Untergang der Titanic, beim dem auch Postgut aus der Schweiz versunken ist, usw.

Zuletzt noch dies: Was denken Sie über die Redensart, dass etwas im Archiv verstaubt?

Archivare mögen keinen Staub. Er kann die Archivalien schädigen. Deshalb werden unsere Magazine fleissig gereinigt. Auch im übertragenen Sinn gilt: Archivalien sind keine Staubfänger. Selbst in kurzen Schriftstücken können sich Schicksale, Lebensumstände oder Träume von Menschen spiegeln. Für mich sind Akten farbig und lebendig.

Für mich sind Akten farbig und lebendig.

Niklaus Bartlome

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2 Kommentare

  • Swiss Post

    Bonjour Monsieur. Merci pour votre demande. Je vous envoie un e-mail de suite. Belle journée. Jérômine

    Veröffentlicht 04.01.2017 08:57

  • Serge RAEMY

    Bonjour, En tant qu'ancien POSTIER, j'aurais aimé retrouver la liste des directeurs généraux des PTT et de La POSTE de 1950 à ce jour. Où puis-je trouver cette information. Malgré les avantages d'internet et de GOOGLE, je n'arrive pas à mettre la main sur ces données. Pourriez-vous m'aider dans ma démarche. Par avance merci de votre réponse

    Veröffentlicht 24.12.2016 10:55