Medienmitteilungen

Roberto Cirillo: «Wir müssen uns bewegen»

Seit gut 20 Wochen ist Roberto Cirillo Konzernleiter der Post. An einer Medieninformation im neuen Paketzentrum in Cadenazzo TI blickt er auf seine erste Zeit bei der Post zurück. Er zeigt sich beeindruckt vom Engagement der Mitarbeitenden. Er macht vor den Medien aber auch klar, dass sich die Post bewegen muss, wenn sie auch in Zukunft die Grundversorgung ohne Steuergelder finanzieren soll – und dies sei das Ziel. Dazu fordert Cirillo eine strategische Gesamtschau zur Post. Er unterstreicht, dass die Post wieder an Relevanz gewinnen muss – für die Menschen und die Unternehmen in der Schweiz. Dazu müsse das Unternehmen auch den Mut haben, neue Wege zu gehen. Dies soll bereits in der neuen Strategie für die Jahre ab 2021 klar zum Ausdruck kommen.

Seit April 2019 leitet der 48-jährige Tessiner Roberto Cirillo die Schweizerische Post. Bei seinem Antritt versprach er, während der ersten Monate die Mitarbeitenden in der ganzen Schweiz und in allen Bereichen des Konzerns zu besuchen und ihnen zuzuhören. Er nahm sich auch vor, den Dialog zu Kunden, zur Politik und zur Bevölkerung aufzunehmen. Diese Versprechen hat er eingelöst. Nebst Kundenbesuchen und dem Austausch mit der Politik führten fast 30 Besuche den neuen CEO in Poststellen, Paket- und Briefzentren oder auch an die Haustüren der Kundinnen und Kunden, wenn er Briefe austrug. «Ich habe die Begeisterung und die Bedenken der Mitarbeitenden gehört. Ich habe mitgearbeitet, zugehört, diskutiert und nachgefragt.»

Nicht auf den Lorbeeren ausruhen

Roberto Cirillo ging es auch darum, die «Gene» der Post, ihre Stärken zu entdecken. «Ich habe eine moderne und innovative Post entdeckt», sagt Cirillo. Die Post sei im Leben der Menschen in der Schweiz verankert. «Ein Trumpf ist unser Netz mit den Zustellern und den Filialen. Es ist in der Schweiz einzigartig. Wer sonst ist täglich an jeder Haustüre in der ganzen Schweiz?» Weiter verfüge die Post über eine breite Logistikkompetenz. «Ich habe eine Post entdeckt, die sich dem Service Public zu 100 Prozent verpflichtet fühlt.» Das alles bilde eine ausgezeichnete Ausgangslage für die Zukunft. Roberto Cirillo hat aber die Zeit auch genutzt, um die Post einer vertieften Analyse zu unterziehen. Dabei reiche es nicht, die Bereiche wie PostLogistics, PostMail oder das Filialnetz einzeln zu betrachten: «Wir haben die Zeit genutzt, eine ‹Gesamtschau› der Post über alle Bereich hinweg zu erstellen», erklärt Roberto Cirillo. Das Resultat ist eindeutig: «Wir werden die Grundversorgung in zehn Jahren nicht mehr aus der eigenen Tasche bezahlen können – wenn wir heute nicht handeln.» Für den CEO ist klar, dass ein anspruchsvoller Weg vor der Post liegt. Das Ziel steht für ihn aber fest: «Wir müssen relevant bleiben für die Menschen und die Unternehmen in der Schweiz. Damit die Post auch in Zukunft ein ganz zentraler Teil der Identität der modernen Schweiz ist.»

Neue Strategie soll den Weg aufzeigen

Um die Strategie für die Jahre ab 2021 zu entwickeln, geht Roberto Cirillo neue Wege. «Wir erarbeiten die Strategie nicht im Elfenbeinturm.» Vielmehr habe er eine Gruppe von Mitarbeitenden gebildet. Die meisten sind zwischen 30 und 40 Jahre alt und gehören nicht zwingend zum oberen Kader. «Sie sind bereit, Neues zu denken. Bequeme Wege zu verlassen, Muster aufzubrechen. Es ist mir wichtig, dass wir für die Zukunft denken, dafür brauchen wir auch die Ideen der jungen Menschen in unserer Post. Gemeinsam mit ihnen entwickeln wir die Strategie der Post ab 2021.» Roberto Cirillo gibt einen Einblick in die Arbeit, macht aber klar, dass der Strategieprozess noch nicht abgeschlossen sei. Die möglichen Szenarien würden der Konzernleitung, dem Verwaltungsrat und schliesslich auch dem Eigner, also dem Bund, unterbreitet.

Letzte Meile, papierlose Schweiz und bereichsübergreifende Branchenlösungen

«Einige der Ideen sind naheliegend», sagt Roberto Cirillo. «Sie befassen sich mit den neuen Bedürfnissen in der Gesellschaft und der Wirtschaft und deren Auswirkung auf die Logistik.» Dazu gehört gemäss Cirillo zum Beispiel der starke Ausbau der Dienstleistungen in Bereich «Feinverteilung und Letzte Meile für die Schweiz». Andere Ideen sind zukunftweisender, wie solche zur «Förderung kreislaufwirtschaftlicher Geschäftsmodelle». «Hier prüfen wir Dienstleistungen wie zum Beispiel Logistik ohne Verpackungsmaterial, Repair&Reuse-Dienstleistungen oder Plattformen für die Sharing Economy.» Unter den Arbeitstitel «Public Digital Services 2.0» untersucht die neugebildete Strategiegruppe Optionen, wie die Post als Wegbereiter einer digitalen papierlosen Schweiz ihre Dienste und Stärken anbieten kann.

Die Post soll aber in Zukunft auch ganz neue Wege gehen dürfen: «Nach vielen Gesprächen mit Partnern, Kunden und Behörden haben wir entschieden, uns auch bereichsübergreifende Branchenlösungen anzuschauen, wie zum Beispiel im Bereich Gesundheit, Unterstützung der Aufgaben von Behörden oder auch im Finanzsektor», führt Cirillo aus. «Das sind einige der Denkansätze, die wir verfolgen möchten, wenn wir die neue Strategie für die Post und so auch für die Schweiz entwerfen. Daran werden wir in den kommenden Monaten arbeiten.»

Neue Arbeitsplätze in Neuchâtel und Bellinzona

Roberto Cirillo hat bereits in seinen ersten Monaten Entscheide gefällt und Änderungen eingeleitet. «Wir konzentrieren uns nur noch auf ein zukunftsträchtiges E-Voting-System und haben eine Lösung für CarPostal France gefunden.» Besonders wichtig ist dem CEO die getroffene Einigung mit den Sozialpartnern bei der Arbeitszeiterfassung im Logistikbereich. «Die Post steht nicht still, bis wir die neue Strategie entwickelt haben», sagt Cirillo. Deswegen sei es zentral, bereits in naher Zukunft erste Schritte einzuleiten. «Noch während die nächste Strategie erarbeitet wird, schaffen wir neue hochwertige Arbeitsplätze in Neuchâtel und Bellinzona im Bereich IT, und zwar in Sinne eines Aufbaus von dezentralen Kompetenzzentren.» Damit nehme die Post nicht zuletzt auch ihre Rolle als wichtige Arbeitgeberin in den Regionen wahr. Ähnliche Massnahmen in anderen Bereichen werden in den nächsten Monaten geprüft. Für Cirillo ist klar, dass die Post den Gürtel vorübergehend etwas enger schnallen muss. Weiter müsse das Investitionsvolumen für 2020 in Einklang mit dem für 2019 zu erwartenden Resultat gebracht werden. «Wir wollen nicht mehr Geld ausgeben als wir einnehmen.»

Dokumente:

Text der Rede von Roberto Cirillo (PDF, 125.9 KB)

Auskunft:

Léa Wertheimer, Medienstelle Post, 058 341 00 00, presse@post.ch