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1906

Ab die Post – das erste Postauto

Der erste Automobil-Postkurs verbindet Bern mit Detligen. Das charakteristische «Dü-da-do» ertönt allerdings erst Jahre später.

Die erste Generation Postautos im Hof der Hauptpost Bern 1906. Quelle: Museum für Kommunikation

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Die Geschichte des Postautos ist eng mit der Geschichte der Pferdepost, aber auch mit der Entwicklung des Tourismus in der Schweiz verknüpft. 1850 ist der Personentransport der wichtigste Betriebszweig der Post. Die Zahl der Postkutschenrouten steigt in der Folge stetig. Zwar löst die Eisenbahn die Postkurse nach und nach auf wichtigen Verkehrsverbindungen ab. Doch im alpenquerenden Verkehr gewinnen die Reisepostkurse an Bedeutung. Postkurse erschliessen abgelegene Gebiete, verbinden grössere Dörfer mit der Bahn oder stellen die Querverbindungen zwischen Bahnlinien sicher.

Holpriger Start

1906 wird der erste fahrplanmässige Automobil-Postkurs aufgenommen: Zwischen Bern und dem rund 20 Kilometer entfernten Detligen verkehren nun 14-plätzige Autobusse. Sie bieten gegenüber den Postkutschen mehr Sitzplätze, fahren doppelt so schnell und häufiger. Jedoch sind sie störanfällig und verursachen hohe Betriebskosten. Ausserdem ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Skepsis gegenüber Autos gross. Der eigentliche Aufschwung des Postautobetriebs setzt erst nach dem Ersten Weltkrieg ein, nicht zuletzt, weil die Post nach dem Krieg 40 Armeelastwagen zu Postautos umbauen kann. Ab 1920 ist der technische Fortschritt nicht mehr aufzuhalten. Die Autopost verdrängt die Pferdepost auf zahlreichen Linien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelt sich das Postauto vom Gelegenheits- zum Alltagsverkehrsmittel.

Plakat Reisepost «Die Alpenpost erschliesst neue Reiseziele», 1945. Quelle: Herbert Berthold Libiszewski (Entwerfer) / Museum für Kommunikation
Reisepost-Plakat von 1945. Quelle: Herbert Berthold Libiszewski (Entwerfer) / Museum für Kommunikation

Dü-da-do

Seit den 1920er-Jahren befahren Postautos die grossen Alpenpässe. Die Alpenpost wird zum Symbol der Schweiz. Sie steht für die Eroberung der Alpen, den technischen Fortschritt, die Zuverlässigkeit und nicht zuletzt für die Schönheit des Landes. Wer ans Postauto denkt, hat sofort «Dü-da-do» im Ohr. Das Dreiklanghorn ertönt ab 1923 auf den Bergpoststrassen. Dies, um an unübersichtlichen Stellen der engen Strassen andere Verkehrsteilnehmer zu warnen. Die heute verwendete Tonfolge «cis-e-a» ist an die Ouverture zu Gioachino Rossinis «Wilhelm Tell» angelehnt.

Dreiklanghorn - Original

Dreiklanghorn - Gioachino Rossini und das Posthorn

Autonomes Postauto, das sogenannte SmartShuttle, unterwegs in Sitten 2016
Autonomes SmartShuttle unterwegs in Sitten 2016

2003 befördert PostAuto erstmals über 100 Millionen Reisende. Neue, flexible Mobilitätslösungen wie on-demand und «Mobility as a Service» werden ausprobiert. Zudem nimmt PostAuto moderne Fahrzeuge wie die autonom fahrenden SmartShuttles oder das elektrisch betriebene London Taxi in Betrieb.

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Fundstück aus dem PTT-Archiv: Automobilverbot in Graubünden

Von 1900 bis 1925 herrschte in Graubünden ein Automobilverbot. Von Ungetümen, die die Pferde aufscheuchten, war die Rede. Nach Versuchen mit Lasttransportern 1904, welche maximal mit zehn Stundenkilometern fahren durften und auf eine Distanz von einem Meter stehen mussten, zeigte es sich, dass die pferdelosen Fahrzeuge gerade für den Reiseverkehr und Posttransport eine grosse Chance waren. Dies beflügelte die PTT, sich stark für Ausnahmeregelungen auf einzelnen Kursen einzusetzen.


Quellen:

Kronig, Karl: «Post», in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.01.2011. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/014057/2011-01-20Target not accessible

Walter Knobel, Schweizerische Post (Hg.): Gelb bewegt. Die Schweizerische Post ab 1960, Bern 2011.

Karl Kronig, Museum für Kommunikation (Hg.): Ab die Post! 150 Jahre schweizerische Post, Bern 1999.

Artikel «Drei Töne im Dienst einer starken Marke»: https://www.postauto.ch/sites/default/files/content/posthorn/dreiklanghorn062015.pdf

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