Hauptinhaltsbereich

Ein zweites Leben für Postrollerbatterien

Stromspeicher-Pilotprojekt

Die Rollerflotte in der Zustellung der Schweizerischen Post besteht ausschliesslich aus elektrisch betriebenen Zwei- und Dreiradfahrzeugen. Nach etwa sieben Betriebsjahren haben deren Batterien noch eine Speicherkapazität von knapp 80 Prozent – zu wenig, um weiterhin für die Briefzustellung eingesetzt zu werden, aber mehr als genug für die Verwendung in einem stationären Stromspeicher für Solarstrom.

Um die Restkapazität der alten Postrollerbatterien optimal zu nutzen, werden seit Frühjahr 2017 im Rahmen eines Pilotprojektes im Postgebäude direkt beim Bahnhof in Neuenburg ausgediente Batterien aus Postrollern in einem stationären Stromspeicher installiert. Dieser speichert den Strom, der von einer Solaranlage auf dem Dach des energetisch totalsanierten Gebäudes erzeugt wird. Der Strom wird für die Poststelle selbst und zudem beim Aufladen der Batterien von Postrollern genutzt.

Ein zweiter Pilotspeicher steht in der Umwelt Arena Schweiz in Spreitenbach. Dort thematisiert eine Ausstellung zudem den ganzen Kreislauf – vom Postroller, der im Indoor-Parcours testgefahren werden kann, über die Produktion von Solarstrom bis zum Stromspeicher aus ausgedienten Postrollerbatterien als Bestandteil der Gebäudetechnik.

Ende 2016 hat die Post den letzten benzinbetriebenen Roller ausgemustert. Somit fahren jetzt alle rund 6300 Roller, mit denen Zustellboten für die Post unterwegs sind, elektrisch und ausschliesslich mit «naturemade star»-zertifiziertem Ökostrom aus der Schweiz. Die Post senkt damit ihre CO2-Emissionen um rund 4600 Tonnen pro Jahr oder um 733 Kilogramm CO2 pro Fahrzeug. Ein Elektroroller benötigt rund sechs Mal weniger Energie als ein Benzinroller. Eine Begleitstudie weist nach, dass die Elektroroller gegenüber den benzinbetriebenen Rollern in jeder Hinsicht umweltfreundlicher abschneiden. Die Elektroroller sind eine Massnahme des Nachhaltigkeitsprogramms «pro clima – wir handeln heute».

Die Flotte der Postroller besteht nun zum grössten Teil aus dem Modell Kyburz DXP, das rund 320 Kilogramm schwer ist und durchschnittlich 5000 Kilometer pro Jahr zurücklegt. Mit Anhänger kann das Dreiradfahrzeug rund drei Mal so viel laden wie ein zweirädriges Fahrzeug, verfügt über erhöhte Fahrsicherheit und steht dank einer automatischen Parkbremse bei jedem Halt von selbst still.

Nach etwa sieben Betriebsjahren haben die Batterien noch eine Speicherkapazität von knapp 80 Prozent.

Die Speicherung von elektrischem Strom ist eine Schlüsseltechnologie bei der Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien. Zudem ermöglicht der Zweiteinsatz der Rollerbatterien eine grösstmögliche Ressourceneffizienz und eine positive Ökobilanz. Die Speicherkapazität eines Speichers beträgt 7-10 kWh. Das Batteriemanagementsystem und die Paketierung wurden so konstruiert, dass pro Speichereinheit mehrere Batteriezellen ausfallen können und das Batteriemodul trotzdem weiter genutzt werden kann – selbst wenn bis zu 30 Prozent der eingesetzten Batteriezellen ausfallen. Die für das Projekt entwickelte Technologie ist nicht auf die Batterien der Zustellfahrzeuge der Post beschränkt, sondern prinzipiell auch für ausgediente Batterien aus den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen ausgelegt.

Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Ökozentrum, der W. Schmid Projekte AG, der Umwelt Arena Schweiz, der Kyburz Switzerland AG, der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, der Helion Solar AG, der Post Company Cars AG sowie der Batteriewerk AG realisiert und durch das Bundesamt für Energie unterstützt.