Der Briefmarkenfonds schafft Mehrwert für Kultur und Sozialprojekte

Wer eine Sondermarke mit Zuschlag kauft, tut Gutes: Ein Betrag fliesst in den Briefmarkenfonds für kulturelles und soziales Engagement. Die Post unterstützt damit verschiedenste Projekte. So kann beispielsweise der Verein Swiss Music Archives (SMA) Popkulturgut erhalten und öffentlich zugänglich machen.

Ein Plakat kündigt 1955 Louis Armstrong im Kongresshaus Zürich an, die Konzertkarten gibt es ab vier Franken. «Beat, Beat, Beat!» verspricht ein Flyer zum Frauenfelder Fastnachtsball mit dem Tanzorchester Morenos. Ob Jimi Hendrix, Rumpelstilz oder Nirvana: Wie die Schweizer Auftritte von heiss geliebten Bands oder Rockgrössen angekündigt wurden, lässt sich heute online auf www.swissmusicarchives.ch nachvollziehen. Die digitale Plakatedition aus der Sammlung des Berner Pop-Chronisten Samuel Mumenthaler ist ein Projekt des 2015 gegründeten Vereins Swiss Music Archives (SMA). 

Popkulturgut erhalten

«Jazz, Beat, Rock, Punk, Hiphop oder elektronische Musik haben den Soundtrack zu umfassenden kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen geliefert», sagt SMA-Vereinspräsident und Historiker Erich Keller. «Wir alle sind davon nachhaltig geprägt. Deshalb muss Popkulturgut erhalten werden.» Doch dafür gibt es in der Schweiz noch keine öffentliche Sammlung, kein Museum, kein Archiv. «Trachten und Militärkleidung, die findet man in unseren Museen zuhauf – aber noch kein Kostüm einer Zürcher Street Parade!», merkt er kritisch an. Dass das SMA nun zum Thema sammeln, forschen und publizieren kann, dazu trägt der Briefmarkenfonds der Post bei.

Breites kulturelles und soziales Engagement

Mit der Herausgabe von Sondermarken mit Zuschlag unterstützt die Post Organisationen mit einem kulturellen oder sozialen Hintergrund direkt – und regt die öffentliche Diskussion an. So gab es in jüngster Vergangenheit eine Briefmarke mit Verkaufszuschlag zugunsten der Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen. Ein Teil der Verkäufe von Sondermarken mit Zuschlag fliesst in den Briefmarkenfonds. Er kommt verschiedensten Institutionen und Projekten zugute: neben dem SMA zurzeit etwa Sprachaustauschprogrammen für Jugendliche, dem Kinderzirkus Robinson oder Limita, der Fachstelle zur Prävention sexueller Ausbeutung für geistig behinderte Jugendliche. 

Kleiner Beitrag, grosse Wirkung

Vermeintlich kleine Beträge zeigen dabei grosse Wirkung. Das SMA beispielsweise kann durch die einmalige finanzielle Unterstützung von 50’000 Franken Projekte realisieren wie die 2019 lancierten «Objektgeschichten»: eine frei verfügbare, digitale Publikation zur Geschichte der populären Musik in der Schweiz. Dabei arbeitet das SMA partnerschaftlich mit dem Schweizerischen Sozialarchiv zusammen, nutzt hier Infrastruktur, IT und Know-how. «Die Gegenstände sind in Privatbesitz – und niemandem zugänglich», sagt Erich Keller. Aber nicht mehr lange: Er freut sich darauf, bald die Geheimnisse von bestickten Jeansjacken, E-Gitarren oder Langspielplatten lüften zu können.