Unser Engagement, Corona

Covid-Briefmarke: Hierhin fliesst Ihr Geld

Seit dem 6. April verkauft die Post die Briefmarke «COVID-19 Solidarität». Über zwei Millionen Franken sind seither zusammengekommen. Der Erlös wird hälftig an das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) und die Glückskette überwiesen. Wir zeigen auf, was dort damit passiert und lassen Menschen zu Wort kommen, die dringend auf diese Spenden angewiesen sind.

Simone Hubacher

Es ist in dieser besonderen Lage enorm wichtig, dass die Hilfswerke und die Lebensmittelorganisationen rasch helfen können. Eva Gammenthaler von der Kirchlichen Gassenabeit Bern: «Wir mussten gleich zu Beginn der Coronakrise unser Angebot rasch und flexibel umgestalten: Denn aufgrund der BAG-Vorgaben konnten wir unser Büro für die Menschen mit Lebensmittelpunkt Gasse nicht mehr öffnen», sagt sie. «Wir wollten jedoch weiterhin präsent und ansprechbar bleiben. Zudem stellten wir ein grosses Bedürfnis nach Nahrungsmitteln fest, da sehr viele Menschen von einem Tag auf den anderen in eine grosse Notlage gerieten und teilweise ihr gesamtes Einkommen und ihre Tagesstruktur verloren hatten.»

Seit Corona verteilt die Gassenarbeit Bern in der Stadt jeweils dienstags und donnerstags während zwei bis drei Stunden Lebensmittel, Sandwiches und Getränke an in Not geratene Menschen. «Dies können wir nur dank der Unterstützung von einer Vielzahl an Freiwilligen und von diversen Spenden, so auch der Glückskette, leisten. Die Nachfrage nach Lebensmitteln hat stark zugenommen und wir verteilen an jedem Nachmittag zwischen 100 und 150 Lebensmitteltaschen», so Eva Gammenthaler. «Parallel dazu suchen wir im Gespräch mit den Menschen nach nachhaltigen Lösungen für ihre Situation und leisten teilweise auch Direkthilfen. Weiter sind wir auch vermehrt im öffentlichen Raum aufsuchend unterwegs, um die Menschen direkt anzutreffen.»

Winterhilfe auch an Bord

Auch bei der Winterhilfe Schweiz, Partnerin der Glückskette, dreht sich derzeit alles um die Corona-Hilfe. «Unsere 27 Geschäftsstellen in der Schweiz geben alles dafür, dass den Bedürftigen so rasch wie möglich geholfen wird», sagt Esther Güdel, Kommunikationsverantwortliche, und erzählt von einem Beispiel, bei der eine Familie nach einem verzweifelten Hilferuf-Telefonat zur Winterhilfe in der Region Ostschweiz innert 24 Stunden einen Einkaufsgutschein im Briefkasten hatte. «Die Einkaufsgutscheine bewähren sich», sagt sie. Bargeld werde in der Regel nicht vergeben. Von einer Mutter dreier Teenager, selbstständige Coiffeuse, kam folgendes Dankesschreiben zurück zur Winterhilfe: «Ich weiss nicht, wie ich Ihnen danken kann. Ich bin so froh und musste gleich weinen. Die Corona-Geschichte trifft uns hart. Herzlichen Dank! Nun werde ich mit Freude meinen Kindern ein sehr feines Essen kochen.»

Eine andere Familie – Vater, Mutter und zwei Kinder – habe sich ebenfalls gemeldet und wollte allen danken, die gespendet haben. Es sei schwer, die richtigen Worte zu finden, um die Dankbarkeit auszudrücken, steht in der Karte. «Einfach danke von ganzem Herzen, von Mensch zu Mensch.» In einen grossen finanziellen Engpass geschlittert war die Familie, weil der Vater – Gärtner auf Abruf mit schlechter Auftragslage – die Bus-Fahrprüfung wegen Corona nicht hatte antreten können. Und die Mutter konnte wegen dem Ausfall der Grosseltern ihrem Teilzeitpensum nicht mehr nachgehen.

Monatliche Überweisungen

Über 100 Organisationen (Stand Mitte Mai), darunter kleinere und grosse wie Pro Juventute, Heilsarmee und Caritas, arbeiten mit der Glückskette zusammen, um das zusammengekommene Geld an die Bedürftigen zu verteilen. Die Post überweist den Erlös aus dem Verkauf der Briefmarke «COVID-19 Solidarität» monatlich an die Glückskette und das Schweizerische Rote Kreuz SRK. Bis Redaktionsschluss Ende Mai waren dies über 2,2 Millionen Franken. Was dort mit den Geldern passiert und wie rasch diese den Bedürftigen zugesprochen werden, lesen Sie in den beiden Interviews mit Sabine Zeilinger vom SRK und Glückskette-Direktor Roland Thomann.

verfasst von

Simone Hubacher

Redaktorin