Hintergründe

Irrtümer in Sachen Post

Ist die Post ein staatlicher Monopolbetrieb, der von Steuern lebt und einfach nur Briefe und Pakete zustellt? Wir blicken auf fünf populäre Irrtümer rund um die Post.

Claudia Langenegger

IRRTUM NR. 1
Die Post ist ein staatlicher Monopolbetrieb

Die PTT als staatlicher Betrieb – das war einst. 1998 wurde diese Verwaltungseinheit des Bundes aufgelöst. Es entstand die Post, eine selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt, die 2013 zur Aktiengesellschaft wurde. Das Monopol der Post auf der Zustellung von Briefen und Paketen bis 5 Kilogramm wurde schrittweise aufgehoben. Seit 2009 verfügt die Post noch über ein Restmonopol für Inlandsbriefe unter 50 Gramm. Alle anderen Dienstleistungen erbringt die Post in Konkurrenz zu anderen Anbietern auf dem Markt.

IRRTUM NR. 2
Die Post lebt von den Steuern der Schweizer Steuerzahler

Die Post gehört zu 100 Prozent dem Bund. Sie hat von diesem einen klar definierten Grundversorgungsauftrag, den sie allerdings eigenwirtschaftlich erbringt. Das heisst: Die Post erhält keine Steuergelder vom Bund. Sie finanziert beispielsweise das Postnetz oder den Brieftransport selbst. Das Geld fliesst sogar in die Gegenrichtung: Ihrem Alleineigner, dem Bund, gibt die Post eine jährliche Dividende von etwa 200 Millionen Franken ab.

Anders ist es bei PostAuto: Die Dienstleistungen von PostAuto sind nicht im Grundversorgungsauftrag der Post enthalten. Die PostAuto-Linien werden von den Kantonen bestellt und von Bund und Kantonen bezahlt. Auch im abgeltungsberechtigten regionalen Personenverkehr (RPV) erbringt PostAuto zusammen mit anderen Transportunternehmen Dienstleistungen im Auftrag von Bund und Kantonen.

IRRTUM NR. 3
Die Post bringt Briefe und Pakete

Ja, aber nicht nur. Die Schweizerische Post besteht aus folgenden sechs Bereichen: PostMail, PostNetz, PostLogistics, PostFinance, PostAuto und Swiss Post Solutions. PostMail ist für die Zustellung der Briefe zuständig, bei Postnetz ist das Filialgeschäft zuhause, Swiss Post Solutions kümmert sich um die interne Postzustellung in grösseren Betrieben weltweit, PostAuto steht für die «Poschis» und den Transportmarkt, bei PostFinance ist das Finanzgeschäft angesiedelt. Die Verarbeitung von Briefen und Paketen nimmt einen grossen Teil des Postgeschäfts ein. PostMail ist mit knapp 15 000 Vollzeitstellen der grösste Bereich der Post: Das sind 36 Prozent der Stellenprozente der gesamten Post. Mit 2721 Millionen Franken erwirtschaftet Post-Mail gut ein Drittel des Betriebsertrags. Zusammen mit PostLogistics ist dies mehr als die Hälfte des Betriebsertrags der Post.

IRRTUM NR. 4
Die Post baut ihr Postnetz ab

Das Postnetz wird transformiert, nicht reduziert. Bloss die Zahl der eigenbetriebenen Filialen wird verringert. Dabei werden 300 Filialen modernisiert – sie erhalten ein neues Kleid und ein neues Konzept. Die Anzahl der Zugangspunkte hingegen steigt. Es gibt stets mehr Filialen mit Partner, My Post 24-Automaten, Hausservices, Aufgabe-und Abholstellen sowie Geschäftskundenstellen.

Ende März waren es gut 3900 Zugangspunkte, 2020 sollen es mehr als 4200 sein. Bei den über tausend Filialen mit Partnern werden in den nächsten Jahren noch etwa 200 dazukommen. Bis Ende 2020 baut die Post die Anzahl Standorte mit My Post 24-Automaten auf ca. 200 aus. Hier können die Kunden rund um die Uhr Postdienstleistungen in Anspruch nehmen.

IRRTUM NR. 5
Die Post kümmert sich zu sehr um Innovation und zu wenig um ihr Kerngeschäft

Nein, denn Innovationen und Kerngeschäft lassen sich gar nicht scharf trennen. Das Kerngeschäft – die Übermittlung von Informationen, Waren und Geldwerten – findet mehr und mehr in der digitalen Welt statt. Innovationen sind dabei unumgänglich: Sie tragen dazu bei, dass die Post zeitgemäss und wettbewerbsfähig bleibt. Drohnen und selbstfahrende Postautos sorgen immer wieder für viel Aufmerksamkeit – die Technologien sind neu und spannend, News darüber sehr publikumswirksam.

Der Wettbewerbsökonom Samuel Rutz von Avenir Suisse hat die "Irrtümer über die Post" unter die Lupe genommen – lesen Sie mehr auf 20minuten.

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verfasst von

Claudia Langenegger

Redaktorin