Hintergründe

Servicepunkte Migros: der Realitätscheck

Seit dem 6. Mai 2019 können Kunden der Post Pakete in rund 300 Migros-Filialen abholen und aufgeben. Welches sind die ersten Erfahrungen mit dem neuen Service?

Gabriel Ehrbar

Seit dem 6. Mai 2019 können Kunden ihre Pakete schweizweit in rund 300 Migros-Filialen abholen und aufgeben.
Seit dem 6. Mai 2019 können Kunden ihre Pakete schweizweit in rund 300 Migros-Filialen abholen und aufgeben. ( Copyright: zVg )

Joli Niederberger wohnt in einem Dorf im Engelbergertal. Sie ist fleissige Onlineshopperin: «Da kommen schon mal ein halbes Dutzend Päckli im Monat zusammen». Entsprechend zahlreich die Retouren. Kein grosser Aufwand für sie: «Ich arbeite in Stans in der Nähe der Migros im Länderpark. Die ist wochentags bis 20 Uhr offen. Meist gehe ich sowieso dort einkaufen und deponiere dann gleich meine Zalandopäckli.»

Möglich macht diesen Service die Zusammenarbeit zwischen Migros und Post. Seit dem 6. Mai 2019 können Kunden ihre Pakete schweizweit in rund 300 Migros-Filialen abholen und aufgeben.

Nutzen: mehr Zugangspunkte, grössere Kundennähe, höhere Convenience.

Einfluss auf Filialen noch kaum spürbar

Für Pascal Nellen, Projektleiter bei PostNetz, ist die Einführung der Servicepunkte geglückt. «Anfangs mussten sich die Prozesse zwischen Migros und Post einspielen», so Nellen, «aber nun funktioniert alles reibungslos». Auch Matthias Wälchli, Leiter Abhol- und Lieferservice beim Migros-Genossenschafts-Bund, zeigt sich erfreut: «Die Migros ist zufrieden, nicht zuletzt auch, weil dadurch neue Kunden in unsere Filialen kommen.» So weit, so gut. Wie aber nehmen die Filialmitarbeitenden der Post den Service wahr? Die Einführung ging nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne. Die grössten Befürchtungen im Vorfeld: weniger Laufkundschaft und ein Wegfall von Aufgaben.

Vereinzelte Reklamationen

Sind diese Befürchtungen eingetreten? In der Stadt Luzern sind gemäss Tamara Stalder, Kundenberaterin in der Filiale Luzern 1 Hauptpost, noch keine Veränderungen spürbar. Vereinzelt habe es zwar Reklamationen gegeben. Zum Beispiel jene Kundin, die sich beschwerte, dass sie bei der Migros ihr 80 cm langes Paket nicht aufgeben konnte. «Eine andere störte, dass in der Migros keine Briefe angenommen werden», so Stalder. Auch im 2000-Seelen-Dorf Cernier im Kanton Neuenburg, wo die Migros einen Katzensprung von der Post entfernt ist, gibt es gemäss Filialleiterin Manuela d’Ignoti noch keine Veränderungen. Es macht den Anschein, als würden die Servicepunkte bei der Migros keine hohen Wellen schlagen. Allerdings ist man sich in Luzern wie in Cernier einig, dass es noch zu früh ist, um die Auswirkungen bereits wirklich zu beurteilen. Oder wie es Tamara Stalder auf den Punkt bringt: «Wie bei jeder Neuerung braucht es immer Zeit, bis sie von der Kundschaft wahrgenommen wird.»

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Gabriel Ehrbar