Hintergründe

E-Food: Aus Zukunftsmusik wird Realität

E-Food heisst nicht einfach, Birnen, Brot und Braten online bestellen und liefern lassen. Die Post tüftelt an Logistiklösungen für frische Milch oder für komplette vorgekochte Menüs. Und für die passenden Verpackungen. Nachhaltig, natürlich.

Fredy Gasser

Lebensmittel in braunen Papiersäcken
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Die Corona-Pandemie hat unseren Alltag auf den Kopf gestellt. Unsere Arbeitsumgebung. Unsere Einkaufswege. Unsere Ernährungsgewohnheiten. Fast unbemerkt erlebte dabei eine besondere Sparte des E-Commerce einen regelrechten Boom: E-Food.

Grundsätzlich meint das Wort: Lebensmittel online bestellen und liefern lassen. Ein weiter Begriff für eine Zukunftsbranche. Denn was in der Schweiz noch eher Zukunftsmusik ist, gehört in den USA und in Asien längst zum Alltag: Ganze Menüs – gerüstet, gekocht, gewürzt, verpackt – liefern zig E-Food-Plattformen nach ein paar Mausklicks an den gedeckten Tisch. In asiatischen Städten gibt es viele Wohnungen, die gar keine Küche mehr haben. Alles kommt vorgekocht per E-Food.

Die Mahlzeit wird geliefert

Jetzt ist E-Food auch in der Schweiz auf dem Vormarsch. Die Kantinenbetreiberin der Post, die SV-Group, mit ihren hierzulande Hunderten von Gastrobetrieben zum Beispiel: Während der Corona-Krise waren die Kantinen leer, aber die Köche immer noch da. Was tun? Klar, die Mitarbeitenden in deren Homeoffice mit vorgekochten Menüs beliefern. Und zwar bei konstanten Temperaturen. «Temperaturgeführte Lieferkette» heisst der Fachausdruck. Wer liefert? Die Post. Mit dabei bei diesem Projekt: Emilija Damjanovic, die erste E-Food Markt- und Produktentwicklerin der Post. Sie konnte nicht zuletzt die Erfahrungen von ihrer Reise ins Silicon Valley im Sommer 2019 einbringen. «Dort bieten Dutzende von Plattformen an, heisses Essen – oder gefrorenes – innert 20 Minuten zu liefern», erzählt sie. Bei der Post entwickelt sie jetzt solche Lösungen für die Schweiz.

Win-win-Situation für die Post und für regionale Produzenten

«Das Potenzial für E-Food ist riesig», sagt die Pionierin Emilija, «und eine Möglichkeit für nachhaltiges Wirtschaften». Denn im Rahmen von E-Food können viele lokale und regionale Betriebe die Reichweite ihrer Produkte vergrössern, ob Bauernhof, Bäckerei, Metzgerei, Käserei oder Grossverteiler. Mit Mehrweggebinden, die die Temperaturen für die heiklen Lebensmittel über Stunden stabil halten und deshalb grössere Wege erlauben. Das hilft den lokalen und regionalen Produkten gegenüber den per Schiff und Flugzeug transportierten Billigwaren aus der ganzen Welt. Emilija Damjanovic ist überzeugt: «Als Vorreiter bei der Post können wir mit E-Food-Lösungen nachhaltig den lokalen und saisonalen Einkauf fördern.»

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Fredy Gasser