Frühlingszauber mit Glace zum Ausklang

Ein Vorgeschmack auf das schöne Wetter bringt ein bisschen Licht in diesen trüben Juni. Rucksack, Proviant und Picknickdecke sind bereit, der Sohn ist warm eingepackt und meine Wanderschuhe sind gereinigt. Heute steht eine Wanderung von Gimmelwald nach Stechelberg auf dem Programm.

Ein Portrait von Claudia Iraoui.
Claudia Iraoui
Blog
Ein Kind auf einem Bergwanderweg.

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Drei Kinder bewundern das Panorama durch ein Zugfenster.
Copyright: Lea Freiburghaus

Wir wollen die Gelegenheit nutzen, denn die Vorhersagen für die kommenden Tage sind wenig verheissungsvoll. Um neun Uhr früh treffen wir am Bahnhof Bern meine wandererfahrene Freundin Lea und ihre Söhne. Auf geht’s in die Berner Alpen! Im Zug bewundern wie gewohnt die Erwachsenen die vorbeiflitzende Landschaft, während die Kinder hungrig und durstig sind und immer wieder auf die Toilette müssen. Im letzten Augenblick bemerken wir, dass der Anschluss nach Lauterbrunnen in Interlaken Ost und nicht in Interlaken West auf uns wartet. Schnell wieder rein in den Intercity. Im Zug nach Lauterbrunnen sind auch die Kinder begeistert, als aus der Bahnlinie eine Zahnradbahn mit einer Steigung von 60 Promille wird.

«Wann sind wir da?»

Von Lauterbrunnen bringt uns das Postauto zur Luftseilbahn Stechelberg. In Gedanken zähle ich gerade die Wasserfälle in diesem engen Tal, als ich das tausendste ungeduldiges «Wann sind wir da?» vernehme. Zum Glück entführt uns die über die Felswand schwebende Seilbahn in Windeseile nach Gimmelwald. Malerisch liegt es auf 1400 Meter Höhe. Während die meisten Fahrgäste ihre Fahrt Richtung Mürren fortsetzen, können wir nach zwei Stunden endlich die Maske ausziehen und tief durchatmen. Wir sind begeistert vom überwältigenden Panorama, von den schneebedeckten Gipfeln, den über den Himmel ziehenden Gleitschirmen und der Sonne, die endlich unsere Haut wärmt.

 
Die Strasse die ins Sefinental führt, kurz vor Grindelwald.
Copyright: Lea Freiburghaus
Zwei Kinder liegen bäuchlings auf der Strasse und bewundern einen Bergbach.

Nun geht’s bergab!

Zwischen jahrhundertealten Chalets und Scheunen durchqueren wir das von Wiesen umgebene idyllische Dorf. Ausserhalb des Dorfes nehmen wir den Wanderweg, der uns ins Sefinental führt. Hier beginnt der Abstieg mit 710 Metern Höhenunterschied bis nach Stechelberg. Das Gebirge um uns herum ist durchtränkt vom vielen Regen des Vortags. Die Kinder stürzen sich begeistert auf die wenigen Schneereste entlang des Weges, lassen ihren Hut in einen Bach fallen (wieder herausgefischt!) und beweisen ihre Kletterkünste. Ich ahne nichts Gutes, als ich sehe, wie mein Fünfjähriger in alle Richtungen rennt, statt gemütlich zu laufen. Wird er es bis zum Ziel schaffen?

Insekt auf einer Kinderhand.

Der Wanderweg führt vorbei an blühenden Wiesen und durch lauschige Bergwälder. Menschen begegnen wir kaum, dafür kommt das Rauschen der schäumenden Sefinenlütschine immer näher. Am Ufer des Wildbachs angelangt, sind sich die Kinder einig, dass dies der ideale Ort zum Essen ist. Während Lea und ich ein Feuer machen und das Picknick vorbereiten, erkunden sie die Umgebung, klettern auf Felsen, schlagen mit Stöcken auf die Schneereste und entdecken die ersten Insekten, die im Bergfrühling wieder zum Leben erwachen.

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Drei Kinder auf einem Bergwanderweg im Wald.
Copyright: Lea Freiburghaus
Drei Kinder spielen in einem Bach.

Ferne Erinnerungen

Frisch gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg. Die Kinder laufen (noch) tapfer mit. Ein kurzer Halt bei der historischen Sägerei, dann überqueren wir die Sefinenlütschine und erklimmen einen kargen und offenbar erdrutschgefährdeten Berghang. Der Wanderweg führt dann steil abwärts und der Wildbach stürzt ins Tal. Auf der gegenüberliegenden Bergseite entdecken wir zwischen den Tannen einen bezaubernden Wasserfall, dessen Wasser über abgeschliffene weisse Steine fliesst und azurblaue Becken bildet. Zu gerne würden wir darin baden gehen, würde nicht die Bise wehen. Erweckt dies vielleicht in uns die Erinnerung an ferne kristallklare Gewässer, die aufgrund der Pandemie aktuell schwer erreichbar sind?

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Ein Hoch auf Schmetterlinge und Glace!

Beim Stafel Pfäffer wechselt man vom Sefinental ins Haupttal der Weissen Lütschine. Eine dicke Schicht Herbstblätter bedeckt den Wanderweg, der plötzlich wieder aufwärts zu einer Wiese mit einer Sennhütte führt. Wir bleiben stehen und bewundern die atemberaubende Sicht auf die Alpenkette mit der Äbeni Flue, dem Mittaghorn und dem Grosshorn. In dieser Talebene scheint der Frühling bereits länger Einzug gehalten zu haben. Leider ist das Berggasthaus Trachsellauenen, wo wir uns verpflegen wollten, geschlossen.

 
Das Tal der Weissen Lütschine mit einer Hütte.
Copyright: Lea Freiburghaus
Weiss-oranger Schmetterling auf einer Frühlingswiese.

Mein Sohn zeigt nun klare Ermüdungserscheinungen. Er sagt, er sei erschöpft und könne keinen Schritt mehr machen. Bis plötzlich ein bunter Schmetterling an seiner Nase vorbeifliegt. Schon jagt er ihm hinterher, die schmerzenden Füsse sind vergessen. Insgeheim danke ich dem Schmetterling für seine willkommene Intervention. Auf dem letzten Wegabschnitt, der nach Stechelberg hinunterführt, befindet sich an strategischer Lage das gleichnamige Restaurant. Bevor wir die Rückreise antreten, gönnen wir uns köstliche Glacekugeln mit Gummibärchen und Smarties. Die Krönung eines tollen Tages. #yellowhike

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Glace mit Gummibären und Smarties.
Copyright: Lea Freiburghaus

Wanderung Gimmelwald-Stechelberg

Tip: Murmeltier Emma (kürzere Wanderungen mit geringen Steigungen)

Dauer: 2 Std. 20 Min für Erwachsene, mit Kinder 4 Stunden

Länge: 7,8 Km

Höhenprofil: 245 m hoch, 710 m runter

Der Ausgangspunkt sowie Endpunkt der Wanderung ist bequem und umweltschonend mit dem Postauto erreichbar.

Als Hauptpartnerin des Vereins Schweizer Wanderwege setzt sich die Post für ein über 65 000 Kilometer langes Wanderwegnetz sowie familienfreundliche Ausflüge und Touren ein. Unter post.ch/wandern finden Sie viele Wandertipps, darunter auch unsere Wanderung von Gimmelwald nach Stechelberg.

verfasst von

Claudia Iraoui

Channel Manager Digital