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46 Jahre bei der Post: der «gelbe Wolf»

Nach 46 Jahren im Dienst des gelben Riesen geht François Ceppi in den Ruhestand. Seit seinen Anfängen als Betriebssekretär bei Postnetz und nach einem «Ausflug» zu PostAuto stieg er die Karriereleiter stetig hoch bis zum Leiter Region in der Westschweiz. Begegnung mit einem echten «gelben Wolf» der Post, der viele Umwälzungen miterlebt hat, darunter die Einführung der Informatik.

Corinne Tschanz

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Porträt von François Ceppi

François ist Bürger desselben Dorfes wie der Konzernleiter der Post, Roberto Cirillo, nämlich von Novazzano im Tessin. Er wurde jedoch in der Romandie geboren, in Yverdon-les-Bains. In 46 Jahren bei der Post kommt einiges an Erinnerungen zusammen! François Ceppi hat zehn Konzernleiter erlebt, hatte zehn verschiedene Funktionen inne, bis zu 700 Personen unter sich und rund 300 Lernende ausgebildet. Sein Netzwerk war mit der Zeit so gross, dass er immer wusste, wo er anklopfen musste, um etwas zu fragen oder zu erhalten. «Eine gewisse Unverfrorenheit zahlt sich durchaus aus, und man darf vor Wagnissen keine Angst haben», ist François überzeugt, der immer auch sehr menschlich gehandelt hat. So lud er eines Tages den ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten der Post, Urs Schwaller, an eine Sitzung der Region Freiburg ein, und dieser ist auch gekommen. Er begleitete ihn auch an eine Versammlung der Freiburger Gemeinden.

«Ich kam etwas zufällig zur Post, es gab hier keine Familientradition. Meine Lehrer sahen mich an der Uni, aber ich wollte ins Berufsleben einsteigen», erzählt François. An seinen ersten Arbeitstag am 16. August 1976 in der Lehrlingsfiliale von Vevey erinnert er sich, als wäre es gestern gewesen. Es war kurz vor seinem 18. Geburtstag, nachdem er innerhalb von zwei Jahren am Gymnasium Yverdon – seine Klasse war dort die erste – die Matur gemacht hatte. Er war schon immer ein ausgezeichneter Schüler mit gutem Gedächtnis gewesen und schloss seine Lehre mit der exzellenten Note 5,9 ab. Danach absolvierte er die Rekrutenschule und ging für einen Sprachaufenthalt nach Basel zum ehemaligen Briefversand: «Wir sortierten alle Briefe von Hand und gaben sie in Säcken weiter.» Auch im Militär war er angesehen und absolvierte parallel zum Sprachaufenthalt die Unteroffiziersschule. Nach weiteren zwei Jahren in Basel kehrte er 1981 als Betriebsleiter zu seinen Wurzeln nach Yverdon zurück. Er war dort auch zuständig für die Ausbildung der Lernenden, von denen einige noch heute bei der Post sind. Dazu gibt es eine lustige Anekdote: «Eines Tages rief mich die Polizei an, weil sie den Besitzer eines Mini suchte, der in einer Blumenrabatte ‹geparkt› und mit Toilettenpapier eingepackt war. Das Auto gehörte einem meiner Lehrlinge, dem die Mitschüler einen Streich gespielt hatten.»

Eine ganze Epoche!

Bis 1983 gab es keine Informatik! «Man schrieb auf der Schreibmaschine und wechselte den Typenhebel aus, um die Schriftart zu ändern.» François kannte auch noch die alten Einzahlungsscheine, die man dreimal abstempeln und lochen musste, damit klar war, in welcher Filiale sie registriert worden waren. Die grosse Reform kam aber mit der Abschaffung der Kreispostdirektionen (KPD). «Das war wirklich eine grosse Überraschung, weil die KPD, das war schon etwas. Wenn ihre Direktoren uns besuchten, war das so etwas wie die grosse Inspektion in der Armee», erinnert sich François und lacht. Eine ganze Epoche!

Nach fast 50 Jahren im Dienst des gelben Riesen geht für François – mit Vorfreude und Wehmut – ein grosser Lebensabschnitt zu Ende. François mit seinem letzten Team, dem Team Region Jurabogen-Genf.
Nach fast 50 Jahren im Dienst des gelben Riesen geht für François – mit Vorfreude und Wehmut – ein grosser Lebensabschnitt zu Ende. François mit seinem letzten Team, dem Team Region Jurabogen-Genf.

Eine neue Herausforderung

Zehn Jahre später, 1991, ging François zu PostAuto, um eine neue Herausforderung anzunehmen: Er wurde Personalchef von 50 Fahrern. In den sieben Jahren in dieser Funktion bildete er sich weiter und machte den eidgenössischen Fachausweis zum Marketingtechniker. Von den 900 Absolventinnen und Absolventen belegte er den 4. Platz, den 1. unter den Romands. Darauf ist er stolz. Danach wurde er Leiter Marketing und Kommunikation. 1998 kehrte er jedoch zu seiner ersten «grossen Liebe», zu Postnetz, zurück und wurde zum Leiter Region Waadtländer Norden-Broye ernannt, danach zum Verkaufsmanager für den Waadtländer Norden. «Wir waren rund 70 Verkaufsmanagerinnen und -manager in der Schweiz, die Funktion wurde jedoch 2007 abgeschafft und durch die Leiterinnen und Leiter Teilbetrieb ersetzt. Ich bewarb mich und erhielt den Teilbetrieb Yverdon.» Drei Jahre später stieg François dank seinem Engagement und seinem Durchsetzungsvermögen noch weiter auf und übernahm die Region Freiburg mit rund 450 Mitarbeitenden. «Mit diesem Leitungsteam habe ich am längsten zusammengearbeitet. Daraus sind auch echte Freundschaften entstanden. Bei Betriebsausflügen kamen die Aperos oft teurer als die Mahlzeiten», lacht François, der beste Erinnerungen an zahlreiche solche Ausflüge hat. Obwohl sein Lieblingssatz «Wir lassen nichts aus!» war, konnte er sich auch zurückziehen und entspannende, gut gelaunte Momente mit Kolleginnen und Kollegen geniessen.

François und sein Team der Region Freiburg, mit dem er am längsten zusammengearbeitet hat.
François und sein Team der Region Freiburg, mit dem er am längsten zusammengearbeitet hat.
Als Hobby schnitzt François hübsche Deko-Objekte für sein Haus in Südfrankreich.

Nach einer weiteren Reorganisation wurde François 2020 Leiter der Region Jurabogen-Genf, einer grossen Region mit 700 Mitarbeitenden. Einige Monate später stiess er zum Team, das den Verkauf und die Poststellen weiterentwickelt, dies im Zusammenhang mit der Öffnung des Netzes für regionale Produkte. In dieser Funktion blieb er bis zu seiner Pensionierung.

Zu seinen prägenden Erinnerungen als Regionenleiter gehören insbesondere der Umbau des Postnetzes und die zum Teil angespannten Sitzungen mit Gemeindebehörden, bei denen Diplomatie stets das oberste Gebot war. Wie sieht er die Post nach all diesen Jahren? «Sie hat es verstanden, sich den Marktgegebenheiten entsprechend zu entwickeln, obwohl die Anpassungen für das Personal an der Front nicht immer einfach waren.» Das gelbe Blut wird weiterhin in seinen Adern fliessen, auch «wenn es mit der Zeit immer ein bisschen weniger wird», sagt er mit leiser Wehmut.

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Reisen und schnitzen

François ist gerade unterwegs zu drei ehemaligen Post-Kollegen, mit denen er regelmässig Velotouren unternimmt. Bald will er auch in die Camargue im Süden Frankreichs fahren und danach nach Kanada, um seinen Neffen zu besuchen, der dort studiert. François liebt es zu reisen, insbesondere in die USA, wo er schon mehrmals war. Zudem hat er ein grosses Hobby: Holzschnitzereien. Er fertigt hübsche Objekte an, mit denen er die Wände seines Hauses in Südfrankreich dekoriert, darunter Fische, kleine Häuser oder einen Leuchtturm mit verankertem Boot. Sie alle erzählen etwas über die grosse weite Welt. Ist das Leben nicht schön?

verfasst von

Corinne Tschanz