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Erstes Quartalsergebnis 2020 der Post wie erwartet tiefer

Die Post hat im ersten Quartal 2020 ein tieferes Resultat erzielt als 2019. Der Ergebnisrückgang ist besonders auf die Tiefzinssituation und die negativen Zinserträge bei PostFinance sowie anhaltende Mengenrückgänge im Briefgeschäft zurückzuführen. Bereits im ersten Quartal zeigen sich erste finanzielle Effekte der Corona-Krise. Die Post rechnet zudem mit erheblichen Auswirkungen auf das Jahresergebnis.

Gabriel Ehrbar

Im Vergleich zum Vorjahr liegt der Konzerngewinn im ersten Quartal 2020 mit 84 Millionen Franken um 46 Millionen Franken unter dem Vorjahreswert. Auch das Betriebsergebnis (EBIT) ist mit 115 Millionen Franken um 57 Millionen Franken tiefer als im Vorjahr. Das überrascht nicht. Nach wie vor bewegt sich die Post in einem schwierigen Marktumfeld. Der Rückgang des Ergebnisses ist hauptsächlich auf die bereits bekannten Einflussfaktoren zurückzuführen. Einerseits schlug die anhaltende Tiefzinssituation mit einem Rückgang der Zinserträge um -18 Millionen Franken zu Buche. Andererseits sorgten die anhaltenden Mengenrückgänge im Briefgeschäft (-5,6% bei den adressierten Briefen) für weniger Einnahmen. Hinzu kamen erste finanzielle Auswirkungen aufgrund der Corona-Krise. Im Gegensatz zu den Briefmengen hat die Paketmenge gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent zugenommen. Vor allem im März wurde infolge der Corona-Krise eine deutliche Zunahme der Bestellungen auf Online-Handelsplattformen spürbar. Im Vergleich zum März 2019 transportierte die Post fast 17% mehr Pakete. 

«Die letzten Wochen haben gezeigt, wie wichtig die Post für die Schweiz ist»

Das Ergebnis des ersten Quartals 2020 zeigt die angespannte Situation in den Kernmärkten deutlich auf. Entsprechend wichtig ist es, dass sich die Post weiterentwickelt. Das hat auch die Corona-Krise gezeigt: Die Post ist zentral für die Schweizerinnen und Schweizer und für eine funktionierende Schweizer Wirtschaft. Alex Glanzmann, Leiter Finanzen der Post, gibt im Interview Einblick in die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Post, die finanzielle Lage und die neue Strategie «Post von morgen».

Herr Glanzmann, das Coronavirus hatte auch Auswirkungen auf die Arbeit der Post. Was hat sie in den letzten Wochen am meisten beschäftigt?

Die letzten Wochen waren wohl für uns alle – privat und beruflich – eine ausserordentliche und herausfordernde Zeit. Am meisten beschäftigt hat mich in den letzten Monaten vor allem die Frage, wie wir den Spagat zwischen der Aufrechterhaltung der Grundversorgung und gleichzeitig dem maximalen Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Arbeitsplatz meistern. Neben der ganzen Tragik dieser Wochen hat mich aber auch stolz gemacht, was wir als Post für die Schweizer Bevölkerung und die Wirtschaft leisten. Die Corona-Pandemie zeigt, was die Post zu leisten imstande ist: Erbringen einer hochstehenden Grundversorgung für die Schweiz, für Jung und Alt, für Stadt und Land, für alle Menschen und die Wirtschaft in der Schweiz – in guten aber auch in schwierigen Zeiten.

Sie haben heute das Ergebnis des ersten Quartals kommuniziert. Geht es der Post finanziell gut?

Die Post verfügt über eine stabile finanzielle Grundlage sowie eine gesunde Eigenkapital- und Liquiditätssituation. In der Vergangenheit waren alle Investitionen zu 100 Prozent eigenfinanziert. Es ist unser Ziel, auch in den nächsten Jahren eine gesunde Bilanz der Post zu gewährleisten. Um die Post und das Geschäftsmodell langfristig, also bis 2030, zu sichern, braucht es aber für die neue Strategieperiode neue Wachstumsquellen und Optimierungen, um die notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen.

Welche finanziellen Auswirkungen hat das Corona-Virus konkret auf die Post?

Die Corona-Krise verstärkt die Effekte bei den Mengen im Briefgeschäft sowie im Paketgeschäft zusätzlich. Bei PostMail erwarten wir, dass die Mengen deutlich zurückgehen, insbesondere im Werbemarkt. Basierend auf den jetzigen Prognosen wird das Paketvolumen bei PostLogistics weiter zunehmen. Bei PostAuto erwarten wir durch den Wegfall von Verkehrserträgen hingegen einen Rückgang des Umsatzes. Bei PostFinance sehen wir ebenfalls einen Mengenrückgang bei Geldbezügen im In- und Ausland. Diese Entwicklung geht auf die geringere Reisetätigkeit und auf das reduzierte Einkaufsverhalten der letzten Wochen zurück. Dadurch, dass mit der Corona-Krise die Digitalisierung vorangetrieben wird, verspürt PostNetz einen Rückgang der Frequenzen in den Filialen, was sich auf den Wertzeichenverkauf und auf die Schaltertransaktionen im Zahlungsverkehr auswirkt. Zudem haben wir als Post einige Kosten, die wir in den Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Arbeitsplatz aufgrund von Covid19 getätigt haben, zum Beispiel die Beschaffung von Desinfektionsmittel, Plexiglaswänden oder Schutzmasken.

Vor einigen Tagen haben Sie die neue Strategie der Post für die nächsten vier Jahre vorgestellt. Hat die Post genügend finanzielle Mittel, um die Transformation der nächsten Jahre zu meistern?

Seit 2013 ist die Post eine Aktiengesellschaft. Seither hat sie einen Free Cash Flow von 2.3 Milliarden Franken generiert, 1 Milliarde an Dividenden bezahlt, und ein Mittelaufbau von 1.3 Milliarden geschafft. Dieses Geld brauchen wir nun für die nächste Transformation der Post. Die neue Strategie ist der Startpunkt. Konkret brauchen wir Investitionen für die beiden Wachstumsfelder Logistik- und Kommunikationsservices. Denn der Druck auf den Ertrag und das Ergebnis der Post nimmt deutlich zu. Wir müssen daher klar fokussieren, wo wir investieren wollen und wo nicht mehr. Wir wollen eine gesunde und wettbewerbsfähige Post sein. Und wir brauchen ein solides Geschäftsmodell, bei dem wir Gewinne erwirtschaften können, damit wir die Grundversorgung auch in Zukunft unabhängig von staatlicher Unterstützung selber finanzieren können.

verfasst von

Gabriel Ehrbar