Innovation & Technologie

InnoPodcast: Ohne Startups keine Zukunft

Wären Unternehmen professionell Sporttreibende, wären Startups die Nachwuchsathletinnen und -athleten. Raphael Tobler, Präsident der Swiss Startup Association, spricht im InnoPodcast über Nachwuchsförderung in der Wirtschaft und die Painpoints von Startups mit Politik, Verwaltung und Konzernen.

Stefan Kern

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Raphael Tobler, Präsident der Swiss Startup Association

Für Startups – so könnte man meinen – gibt es bessere Voraussetzungen als jene im Alpenland. Die Löhne sind hoch und die Arbeitslosigkeit tief. Wer soll da freiwillig den risikobehafteten Weg eines Startups einschlagen (siehe hierzu die Zürcher Version des Berlin Pitchs vom «ThePitchDoctor»)? Raphael Tobler widerspricht: «Die Schweiz und Zürich müssen sich nicht verstecken. Die Schweiz hat Vorteile. Das Land ist klein. Man kennt sich und hilft einander. Ausserdem brauchen Startups kluge Köpfe und Geld – die Schweiz hat beides.»

Keine Steuern, viel ausländisches Geld

So werden in der Schweiz jährlich zwischen 2 500 und 3 000 Startups gegründet. Auch wenn sie anfangs so gut wie keine Steuern zahlen, sind sie für die Volkswirtschaft unentbehrlich. «Firmen haben ihre Lebenszyklen. Ohne Startups hätten wir einst keine Unternehmen mehr.» Nur wenige schaffen es wie Brack – ein Schweizer Pendant zu Amazon – vom Startup zum Grossunternehmen mit über 900 Mitarbeitenden. Aber viele Startups ziehen Geld von ausländischen Investorinnen und Investoren an, das in der Schweiz in Form von Löhnen, Mieten und mehr wieder ausgegeben wird.

Von Investoren und Lobbying

Damit Business Angels, Venture-Capital-Gesellschaften und Startups besser zueinander finden, hilft die Swiss Startup Association. Der Verband greift seinen Mitgliedern auch bei der Beschaffung unter die Arme. Für Softwarelizenzen wie Hubspot beispielsweise kann er bessere Einkaufspreise erzielen als seine Mitglieder einzeln. Schlussendlich ist eine Mitgliedschaft für Tobler aber eine Frage der Moral. Nach ihm sollen sich Startups die Frage stellen, ob sie den Verband auch unterstützen, wenn sie direkt keinen Nutzen daraus ziehen: «Damit die Ausgangslage für die Unternehmerinnen und Unternehmer nach ihnen etwas besser ist.»

Damit es zukünftige Startups ein bisschen leichter haben, baut der Verband in Bundesbern Brücken zur Politik. Raphael Tobler meint, dass es nicht selten an Verständnis mangle: «Linke Parteien fordern soziale Absicherungen. Dabei machen Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer oft gleich wieder weiter, wenn sie scheitern – und rechte Parteien fordern Steuersenkungen, obwohl Startups fast keine Steuern zahlen.»

Aber auch zwischen Grossunternehmen und Startups kommt es zu (kulturellen) Differenzen. «Da prallen zwei Welten aufeinander. Firmen sagen oft ‘ja, wir wollen etwas aufgleisen’. Fragt man die Startups, beschreiben sie die Zusammenarbeit als ausgesprochen kompliziert.» Um zu verhindern, dass eine Zusammenarbeit aufgrund eines 50-seitigen Vertrags schon früh zum Erliegen kommt, empfiehlt Raphael Tobler beispielsweise Unternehmen, ein Budget als Rahmen zu definieren, innerhalb dessen Anfragen auf kurzem Wege bearbeitet werden können. «Es ist ja auch im Interesse der Grossfirma, lieber früh und schnell zu scheitern als erst nach zwei Jahren.»

Auch Verwaltungen können mit Startups

Das Zusammenspiel mit Verwaltungen gestaltet sich indes schwieriger. «Eine Verwaltung kann nicht so leicht scheitern, weil sie sich für den Verlust von Steuergeldern rechtfertigen muss.» Wie es auch gehen kann, zeigt die Stadt Zürich. Sie ist 2021 mehrere Kooperationen mit Startups eingegangen, die über die Innovationsplattform Kickstart zustande kamen.

Wie es Startups schaffen, bei Verwaltungen und etablierten Unternehmen mit ihrer Anfrage nicht unterzugehen, und warum Startups trotz chronischem Zeitmangel im Verband mitanpacken, erzählt er im InnoPodcast. Jetzt reinhören.

Raphael Tobler ist nebst seinem Engagement als Präsident der Swiss Startup Association Geschäftsführer und Verwaltungsrat der Bildungs- und Karriereplattform eduwo. Unternehmertum liegt dem studierten Betriebswirt (MBA) aus Winterthur im Blut. So ist er Gründer und Präsident des «Entrepreneur Club Winterthur» und half als Mentor bei «Rock Your Life GmbH» jungen Menschen beim erfolgreichen Start in ihre berufliche Zukunft.

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verfasst von

Stefan Kern