Unser Engagement

Bunt wie ein Regenbogen

Wie engagiert sich die Schweizerische Post für die LGBTIQ-Community? Ist es möglich, am Arbeitsplatz offen und selbstbewusst mit der eigenen sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität umzugehen? Ein Gespräch mit Mariel Lemos, Verantwortliche Vielfalt & Inklusion Post Konzern, und Peter Rüfenacht, Co-Präsident des postinternen Netzwerks Rainbow, über die Herausforderungen von Vielfalt und gesetzte Meilensteine auf dem Weg zur Inklusion.

Mareike Fischer

Peter Rüfenacht und Marie Lemos
Copyright: Urs Graber

Von wegen bloss Gelb: Mit zwei Sondermarken, die das Miteinander verschiedener Lebensentwürfe zeigen, hat sich die Post zu den Farben des Regenbogens bekannt – für Vielfalt und Inklusion. Wie kam das an?

Peter Rüfenacht: Dass wir die LGBTIQ-Community anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums des Stonewall-Aufstands in New York auch erstmals als Motiv brachten, dafür haben wir im In- und Ausland positives Feedback erhalten. Wir freuen uns, dass wir als Schweizerische Post mit so einem kleinen Stück Papier ein grosses Zeichen setzen konnten.

Mariel Lemos: Zudem stellen wir mit rund 49’000 Mitarbeitenden in der Schweiz ein Abbild unserer vielfältigen Bevölkerung dar – die gleichzeitig unsere Kundinnen und Kunden darstellt. Und da ist auch die LBGTIQ-Community eine wichtige Zielgruppe.

Welchen Wert hat Vielfalt für die Post?

ML: Als Arbeitgeberin wollen wir die besten Talente anziehen – und damit auch Menschen aus allen Farben des Regenbogens, die uns ihre Sichtweisen eröffnen. Wir können der Schweizer Bevölkerung nur dann erfolgreich Produkte und Dienstleistungen anbieten, wenn wir sie mit all ihren Bedürfnissen kennen und verstehen. Bei der Post sind Vielfalt und Inklusion bereits seit den 1990er Jahren ein Thema, das sich ständig weiterentwickelt hat. Unsere neue, ganzheitliche Strategie Vielfalt und Inklusion greift die Dimensionen Sprache, Beeinträchtigung, Generationen, Gender+, Herkunft sowie Weltanschauung auf.

Wie sieht es mit der praktischen Umsetzung dieser Strategie aus?

ML: Als Service-Public-Unternehmen haben wir mit dem neuen GAV, der 2021 in Kraft tritt, einen Meilenstein gesetzt. Erweiterte Regelungen zu Mutter- oder Vaterschaftsurlaub für hetero- und homosexuelle Paare, familienfreundliche Anstellungsbedingungen, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, Gleichstellung und Schutz vor Diskriminierung – explizit auch in Bezug auf Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung – sind darin wichtige Themen.

PR: Dass Inklusion und der Diskriminierungsschutz strategisch verankert sind, ist wichtig. Zu wissen, ich habe ein Recht auf Gleichstellung, ich kann mich wehren. Bei der praktischen Umsetzung kommen vor allem unsere internen Netzwerke ins Spiel. So wie wir das Netzwerk Young Voice für die Jungen und das Netzwerk Mosaico für die Sprachen- und Kulturenvielfalt haben, so gibt es seit 2015 das firmeninterne Netzwerk Rainbow für die LGBTIQ-Community.

Welche Aufgaben hat Rainbow?

PR: Als Anlaufstelle fördern wir den Dialog von LBGTIQ-Angehörigen über alle Hierarchiestufen hinweg. Dabei sind wir keine ausgebildeten Sozialberater oder Psychologen. Aber wir vermitteln Hilfe und begleiten: Bei einem Geschlechtsangleichungsprozess beispielsweise können wir die Betroffenen dabei unterstützen, administrative und soziale Hürden zu überwinden.

Wir machen unsere Anliegen sichtbar und nehmen regelmässig an der Pride teil: Zunächst waren wir zehn Mutige, die mit dem Postbanner mitliefen – und die Leute haben für uns applaudiert. Das war ein sehr emotionaler Moment. 2019 haben wir mit 50 Leuten teilgenommen: ein toller Erfolg.

ML: Die Einladung zur Pride haben wir mit einer grossen, farbigen Anzeige in der Personalzeitung platziert. Um ein deutliches Zeichen zu setzen, dass auch die Konzernleitung hinter der Aktion steht. Die Post unterstützt Rainbow zudem nicht nur moralisch, sondern fördert das Engagement auch finanziell.

Welche weiteren Massnahmen laufen oder sind geplant?

PR: Wir haben eine Post-Bildwelt erstellt, die Mitglieder der LGBTIQ-Community zeigt. Models zu suchen, die sich öffentlich exponieren, einen passenden Fotografen zu finden, keine Klischees zu bedienen – das war eine Herausforderung. Jetzt gilt es, diese Bilder einzusetzen: sei es auf der Post-Website, in Prospekten oder im Geschäftsbericht. Für eine ganz selbstverständliche Inklusion.

ML: Wir führen laufend Schulungen rund um Vielfalt und Diskriminierungsfreiheit für Lernende, für Recruiter und Führungskräfte durch. Damit wir nicht nur top-down agieren, suchen wir verstärkt den Dialog mit den Personalverantwortlichen der Bereiche.

Um das Thema Vielfalt von seinem Nischendasein zu befreien, setzen wir auch auf Veranstaltungen. So starten wir im Herbst eine konzernweite Kampagne gegen Diskriminierung. Und im Oktober findet eine grosse Woche der Vielfalt statt, mit vielen Aktionen für alle Mitarbeitenden der Post.

Wie kommt das Engagement der Post bei den Mitarbeitenden an?

PR: Auch da spiegeln wir die Bevölkerung der Schweiz. Nehmen wir das Beispiel genderneutrale Toiletten, die wir am Hauptsitz und in Zollikofen errichtet haben. Da heisst es im Feedback manchmal: Haben wir keine wichtigeren Probleme? Aber es gibt eben die verschiedensten Formen von Geschlechtsidentitäten – und das ist auch gut so.

ML: Und sie alle haben Platz bei der Post und sollen sich hier akzeptiert und wohlfühlen. Mit genderneutralen Toiletten nehmen wir niemanden etwas weg, sondern erweitern unser Angebot. Zudem machen wir deutlich: Die Post beteiligt sich am gesellschaftlichen Diskurs und verschläft keine Entwicklungen. Wir gehen gerade auch auf die Bedürfnisse der jüngeren Generation ein – die ja unsere Zukunft darstellt.

Als Schweizer Unternehmen, das im Auftrag des Bundes handelt, ist aber auch klar, dass wir uns nicht zu sehr exponieren können. Und bei unserer Arbeit punkto Kulturwandel und Inklusion sind Geduld, Feingefühl und Beharrlichkeit ganz sicher die wichtigsten Erfolgsfaktoren.

verfasst von

Mareike Fischer