Hintergründe

50 Jahre Frauenstimm- und Wahlrecht: Und wo steht die Post?

Das Ja zum Frauenstimm- und Wahlrecht vom 7. Februar 1971 war ein Meilenstein für die Gleichstellung der Geschlechter in der Schweiz. Wie steht es heute um Gleichstellung und Diversität bei der Schweizerischen Post? Personalchefin Valérie Schelker stellt sich den Fragen von Aline Galliker, Vertreterin des Post-internen Netzwerks Young Voice.

Inari Kirchhofer

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Valérie Schelker, Leiterin Personal bei der Post, mit der Briefmarke «50 Jahre Frauenstimm- und Wahlrecht»
Valérie Schelker, Leiterin Personal bei der Post, mit der Briefmarke «50 Jahre Frauenstimm- und Wahlrecht». (Copyright: Lena Schläppi)

Valérie Schelker: Was löst es in dir aus, wenn du hörst, dass das Frauenstimm- und Wahlrecht in der Schweiz vor 50 Jahren eingeführt wurde?

Für mich geht es weniger darum, ob es erst oder schon 50 Jahre sind. Wichtiger ist die Diskussion, was wir in den nächsten 50 Jahren dafür tun, damit die Chancengleichheit für alle gilt, nicht nur auf der Geschlechterebene, und dies nicht nur in Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter, sondern weiter gefasst in Bezug auf Eigenschaften wie Sprache, Herkunft, Lebensform und Weltanschauung. Wir müssen uns überlegen, wie wir den Weg in die Zukunft gemeinsam gestalten. Aber jetzt wollen wir den Meilenstein des Frauenstimm- und Wahlrechts erst mal mit einer Briefmarke feiern!

Was hat sich bezüglich Chancengleichheit über die Jahre hinweg bei der Post getan?

Das Bewusstsein für Chancengleichheit entwickelte sich in den Neunzigerjahren, in dieser Zeit entstanden auch die ersten Programme. Bei der Post legen wir grossen Wert auf die Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf. Wir bieten flexible Arbeitszeitmodelle, Teilzeitstellen, Job- und Top-Sharing. Beim Co-Führungsmodell können sich zwei Personen eine Führungsposition teilen. Seit kurzem haben wir auch den Vaterschafts- und Elternschaftsurlaub ausgebaut. Und wir engagieren uns stark für die Lohngleichheit von Männern und Frauen.

Das Bewusstsein, dass es sich für das Unternehmen lohnt, die Vielfalt zu fördern, entwickelte sich bei der Post schon relativ früh. Gemischte Teams sind erfolgreicher, und je grösser die Vielfalt unserer Mitarbeitenden, umso besser repräsentieren sie die Bevölkerung. So können wir auch die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden besser verstehen.

Seit Januar verfolgt die Post eine neue Strategie. Im Hinblick darauf wurden viele Führungspositionen neu besetzt. Wie trägt die Post der Gleichstellung und Diversität Rechnung bei der Besetzung von Führungspositionen?

Uns ist wichtig, dass die Stellenbesetzungen fair und transparent ablaufen. Wenn wir rekrutieren, achten wir auf einen guten Mix von Geschlecht, Sprachen und Herkunft. Wir sind insbesondere bestrebt, auf den obersten Kaderstufen die Geschlechter- und Sprachenvielfalt aktiv zu fördern. Der Frauenanteil im gesamten Kader liegt seit Jahren bei 22 Prozent. Im oberen Kader haben wir mit den neuesten Besetzungen 30 Prozent erreicht. Hier wollen wir die lateinischen Sprachen noch mehr fördern. Gleichzeitig braucht es aber immer auch die benötigten Kompetenzen, damit wir die Strategie der Post erfolgreich umsetzen können.

Das sind keine Vorzeigezahlen. Wo setzt du an, um den Frauenanteil im Kader zu erhöhen und mehr Diversität zu erreichen?

Wir haben erkannt, dass wir unsere «Talent-Pipeline» viel früher füllen müssen. Wir müssen wissen, wo diese Nachwuchskräfte sind, die sich weiterentwickeln und mittelfristig eine Kaderfunktion übernehmen möchten. Es ist aber auch Aufgabe der Führungspersonen, Mitarbeitende mit Potenzial zu erkennen und zu fördern und in ihren Teams generell auf eine noch grössere Durchmischung zu achten.

Die neue Strategie der Post verlangt auch eine Weiterentwicklung der Kultur. Welche Rolle spielt die Kultur für die Diversität?

Auch in unserer Kultur streben wir eine gute Durchmischung an. Hier geht es um Werte wie Mut, Pragmatismus und Offenheit oder um ein vielseitiges Set an Kompetenzen wie Unternehmertum, Effizienz und Kundenzentrierung. Wir wollen Mitarbeitende gewinnen, deren Mindset zur jeweiligen Aufgabe passt, um unsere Kultur in die gewünschte Richtung weiterzuentwickeln. Aber selbstverständlich bewahren wir unsere Zuverlässigkeit. Wichtig ist für uns auch das Thema Inklusion und der Schutz vor Diskriminierung. Bei der Post sollen sich alle Menschen wohlfühlen, unabhängig von ihrer Geschlechterzugehörigkeit oder sexuellen Orientierung, ihren Denkweisen oder anderen Eigenschaften. Um die gegenseitige Vernetzung und den Austausch zu fördern, bieten wir ihnen verschiedene interne Plattformen.

Nimmt die Post in Sachen Chancengleichheit und Vielfalt eine Vorbildfunktion in der Schweiz ein? Und wo kann sie sich verbessern?

Als bundesnahes Unternehmen mit dem Service-public-Auftrag muss es das Bestreben der Post sein, dass ihre Mitarbeitenden genauso vielfältig sind wie ihre Kundinnen und Kunden. Bei uns arbeiten Menschen aus über hundertvierzig Nationen, in über hundert verschiedenen Berufen. Natürlich können wir uns weiter verbessern. Beispielsweise beim Anteil weiblicher Mitarbeitenden in IT- oder Logistikberufen können wir noch einen Zacken zulegen!

Was würdest du mit deiner Erfahrung einer jungen Frau wie mir für die berufliche Laufbahn auf den Weg geben?

Bleibe offen, neugierig und habe den Mut, grosse Schritte zu machen, wenn sich Möglichkeiten bieten. Und suche selber aktiv nach Möglichkeiten. Lass dich von Menschen in deinem Umfeld auf deinem Weg begleiten. Ich selber hatte das Glück, dass mich mein Umfeld immer unterstützt hat. Und probiere Dinge aus, selbst wenn du am Anfang denkst, «Oh, das kann ich vielleicht noch nicht.»

Interview: Aline Galliker, Young Voice

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verfasst von

Inari Kirchhofer